Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt

Drei Jahre lang untersuchten Harun Farocki und Antje Ehmann gemeinsam mit FilmemacherInnen in 15 Städten auf fünf Kontinenten, was man heute unter Arbeit versteht. Für die zu erarbeitenden Filmminiaturen setzten sie sich strenge Vorgaben, angelehnt an die Form des Lumière-Films: Jeder Film darf nicht länger als zwei Minuten sein. Er muss von Arbeit handeln. Er darf keinen Schnitt enthalten.

Vom Wert der Arbeit

Am überzeugendsten bringt eine Videoinstallation des britischen Videokünstlers Oliver Walker das internationale Arbeitsregime auf die Leinwand. Auf sechs Videos sind denkbar unterschiedliche Tätigkeiten zu sehen, die auch unterschiedlich entlohnt werden. Die Dauer der Videos richten sich nach der Bezahlung. Sie enden, wenn der Mensch, der diese Tätigkeit verrichtet ein Euro verdient hat.

Beim ersten Video, das eine Managerkonferenz zeigt, ist gerade mal eine Sekunde vergangen. Während ein Bauer in Ägypten dafür mehr als eine Stunde schuften muss. Es gibt noch krassere Beispiele! Walker gelingt es, die globale Ausbeutung in seiner Kunst sichtbar zu machen.

Zum Thema Arbeit passt eine Studie, die heute über die öffentlichen Medien verbreitet wurde. Nur 15 Prozent identifizieren sich in Deutschland mit ihrem Arbeitgeber. Der Rest macht Job for Money. Das sollte zu denken geben! Leben wir um zu arbeiten oder arbeiten wir um zu leben? Das Ideal ist ein heute bestenfalls ein Kompromiss, weit entfernt von einstigen Utopien.

Ein anderes Thema

„Wie können wir ihnen Napalm im Einsatz und Napalmverletzungen zeigen?“, fragt Farocki in dem Kurzfilm „Nicht löschbares Feuer“: „Wir können ihnen nur eine schwache Vorstellung davon geben, wie Napalm wirkt. Eine Zigarette verbrennt mit etwa 400 Grad, Napalm verbrennt mit etwa 3000 Grad Hitze.“

Gerade heute ist ein solches Werk nicht überall gern gesehen. Es verweist auf eine Zeit, als Bilder von politischen Verbrechen, viele Menschen zu Protest und Widerstand motivierte.

Heute verwahren sich Fernsehzuschauer dagegen, dass sie durch die vielen Bilder über von Menschen gemachten Gräuel und Schrecken überall in der Welt beunruhigt werden.
Nicht mehr die Verbrechen und ihre Verantwortlichen sowie die politischen Strukturen, die sie möglich machen, sondern die Bilder darüber erregen ihren Widerstand.

Haus der Kulturen der Welt:

27.Februar 2015 bis 06 April 2015

http://www.hkw.de/de/programm/projekte/2015/eine_einstellung_zur_arbeit/ausstellung_eine_einstellung_zur_arbeit/ausstellung.php

Hartmut Dold

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Vom Wert der Arbeit

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