Thema Griechenland

Bisher waren wir mit den PAZ oft einer Meinung. Das betraf besonders die Bebauungsplanung des Mauerparks und die Bürgerdemokratie. Deshalb wundern wir uns umso mehr um die Schlagzeile des Artikels: „Verzockt! Ideologieproduktion am Ende!“ Damit ist der griechische Finanzminister und sein Regierungschef gemeint.

Diese Schlagzeile hätten wir eher bei Spiegel-Online vermutet. Die Rede ist von dem griechischen Finanzminister Varoufakis und seiner Verhandlungspolitik in Europa.

Über seine Ansichten und politischen Forderungen kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ihm aber sein Lehrfach die Spieltheorie im Sinne von zocken zu unterstellen geht zu weit. Wir sind auch kein Experte auf diesem Gebiet, haben uns aber mit den Einlassungen des leider viel zu früh verstorbenen Frank Schirrmacher zu diesem Thema ausgiebig beschäftigt.

Die Fakten der griechischen Gesamtschulden Quelle: Bloomberg, hat die PAZ richtig recherchiert. Vielleicht sollte man hinzufügen, dass Griechenland damit nicht der internationale Rekordhalter ist.

Gemessen an der Gesamtverschuldung eines Landes am Bruttoninlandsprodukt führt Japan mit 400%, gefolgt von Irland mit 390%, Singapur mit 382%, Portugal mit 358%, Belgien mit 327%, Niederlande 325%, erst dann kommt Griechenland mit 317%. Im übrigen: Spanien ist mit 313% dabei, Frankreich mit 280%, Großbritannien mit 252%, die USA 233%, China mit 217% und Deutschland mit 188 %.

Die Frage ist also nicht die der Schuldenlast, sondern die: Wie können überschuldete Staaten so aufgestellt werden, dass sie sich und ihre Gläubiger langfristig aus der Finanzfalle befreien können.

Die Versuche von Tzipras uns Vatsoufakis das Elend in Griechenland abzumildern als Medienrummel zu bezeichnen, finden wir daneben.

Hartmut Dold

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Verzockt?

Ein Gedanke zu „Verzockt?

  • 8. Februar 2015 um 10:49
    Permalink

    Lieber Herr Dold,

    in Griechenland, einer alten Seefahrer-Nation mit vielen schwer zu überwachenden Inseln ist die größte Dichte von Luxusjachten beheimatet, dicht gefolgt von Südfrankreich und Monaco.

    Zugleich ist die griechische Handelsflotte die größte der Welt. Seit Jahrzehnten dürfen Reeder sich über 58 eigens für sie in der griechischen Verfassung verankerte Steuerbefreiungen freuen.
    Die Seefahrt setzt jährlich rund 14 Milliarden Euro um, zahlte aber jährlich nur ca. 25 Millionen Euro Steuern.
    Griechenland ist ein Land, das Putzfrauen verarmen lässt, das Renten toter Pensionäre ungeprüft weiter ausgezahlt hat.

    Nun hat das Land ein sog. „kommunistische Regierung“, die sich nicht an die Privilegien der griechischen Schiffseigner heranwagt. Zugleich wird eine Europa-Show veranstaltet, in deren Spielzeit – bei nur 10 Mio. Einwohnern – in einem Monat 11 Mrd. € Kapital exportiert werden.

    Kapital, mit dem übrigens auch in Prenzlauer Berg Häuser gekauft wurden, und Mieter unter Druck geraten.

    Es ist völlig daneben, diese griechischen Verhältnisse durch weitere Euros zu stützen!

    Wenn Griechenland seine Reedereien mit nur 25% besteuern würde, könnte das Land auch ein ordentlicher Sozialstaat sein – und nicht eine Steueroase! (=90 Mrd. € in 30 Jahren).

    Wenn Griechenland eine einmalige Vemögensabgabe von 10% als Schadensersatz einfordern würde, dann
    kämen 120-160 Mrd. € zusammen.

    Wenn die griechische Regierung Kapitalertragssteuern einziehen könnte, für Fluchtgelder, dann könnte Griechenland anderen EU-Ländern Geld leihen!

    Das wahre Elend Griechenlands: auch Tzipras und Vatsoufakis sind vermutlich unfähig, den Augiasstall auszumisten!

    herzliche Grüße
    Michael Springer

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