Auf den Spuren von Alexis Zorbas?

Wir wundern uns eigentlich, dass die Medien noch nicht das Klischee des Alexis Zorbas bedient haben, um den neuen griechischen Premierminister Alexis Tsipras zu charakterisieren. Über sein Privatleben ist bisher wenig bekannt, und das ist auch gut so, im Gegensatz zum Roman-und Filmhelden Alexis Zorbas.

Im Unterschied zur Romanfigur des gleichnahmigen Buchs von Nikos Kazantzakis von 1946
kommt Tsipras aus Athen und nicht aus Makedonien. Die Haupthandlung wird wohl eher nicht in Kreta spielen. Schon hoffen einige, dass Syriza wie das Bergwerk und die Seilbahn in dem Roman zum Schluss zusammenbrechen werden. Die haben aber den Sinn des Buches und die Botschaft des 1964 gedrehten gleichnahmigen Films mit Anthony Quinn in der Hauptrolle nicht verstanden.

Das trifft offenbar auch auf den Wahlverlierer Samaras zu, der sich als unwürdig erwies.

Das politische Protokoll und die weltweit praktizierte Tradition sieht eigentlich eine Amtsübergabe des scheidenden an den neuen Ministerpräsidenten vor. Beim Verlassen des Präsidentenpalastes nach der Vereidigung von Tsipras sahen die Journalisten am Megaron Maximos nur noch wenige Mitarbeiter von Samaras. „Es gibt keine Übergabe, es ist vorbei“, erfuhren sie.

Was war geschehen?

Samaras war nicht erschienen. Die alte Regierung hat der neuen einen komplett geleerten Amtssitz überlassen. Sämtliche Schreibtische sind leer. Festplatten wurden aus den Computern entfernt, Aktenbestände durch den Reißwolf gejagt.

Noch in der vergangenen Woche musste Samaras neue Aktenvernichter einkaufen lassen, weil die alten ob des Dauerbetriebs ihren Dienst versagt hatten. Das kommt bekannt vor. „Es gab nicht einmal Seife in den Toiletten“, klagte ein Mitarbeiter Tsipras. Es gibt Schlimmeres.

Mitten in den Verhandlungen mit der Troika wurde dem neuen Premier nichts Informelles übergeben. Die Symbolik, die einer zivilisierten Amtsübergabe steckt, ist nicht mehr und nicht weniger als die Konstanz eines Staatswesens. Der schlechte Verlierer Antonis Samaras hätte dies mit keiner anderen Geste so deutlich machen können wie mit dieser Art der Übergabe.

Aber vielleicht ist das auch das Symbol für den Abgang der alten politischen Kaste, die Demokratie mit Selbstbedienung  verwechselt haben.

Quelle: Wassilis Aswestopoulos/Telepolis

Sirtaki mit Anthony Quinn als Alexis Zorbas: https://www.youtube.com/watch?v=iKb7cHP4uPw

Hartmut Dold

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Sirtaki mit Alexis Tsipras

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