der Falkplatz II Geschichte bis zur Gegenwart

Erst 1908 beginnt die Umgestaltung des Platzes N1, ab 1906 „Falkplatz“ genannt, als „Schmuckplatz“, weil bis dahin die OHG Simon&Bloch, die das Areal ein Jahr zuvor gewinnbringend an die Stadt verkauft hatte, bis 1908 Pachtverträge mit verschiedenen Pächtern besaß.

Sein weiteres Schicksal ist ein typisches Stück berliner Geschichte zwischen 2 Weltkriegen, der Teilung der Stadt, dem Mauerbau und der Wiedervereinigung.

Es soll hier nicht wiederholt werden, was schon ausführlich und und mit wissenschaftlicher Kompetenz in Buch und Schriftform vorliegt.*

Deshalb hier nur ein kurzer Abriss zur Einstimmung auf das

Update 2.0.6.“Falkplatz III und Mauerpark  in der Gegenwart“.

Seit seiner Fertigstellung als „Schmuckplatz“ mit abgezirkelten Wegen und Blumenrabatten, mit einer Steintreppe aus Strieganer Granit – aber auch mit einem Planschbecken und Buddelkästen für Kinder, diente er rund 50 Jahre lang den Anwohnern als urbaner Raum, der sehr gerne angenommen wurde, wie Zeitzeugen zu berichten wußten.

Dann begann das Naziregim den 2.Weltkrieg und 1945 war nichts mehr wie vorher. Am Ende der Schlacht um Berlin durchzogen Splittergräben den Platz. Ein Feuerlöschteich gegen Brandbomben, diente, nach Ausfall der Wasserversorgung, als Trinkwasserreservoir mit zweifelhafter Qualität.

Auf dem Exer und auf dem Kohlenplatz Sonneburger/Ecke Gleimstrasse standen Flakbatterien. Das Gebiet war „HKL“, Hauptkampflinie geworden, mit den entprechenden Folgen für Mensch und Stadt. Auf dem Gelände des „Kohlenplatzes“ ging ein Munitionsdepot der SS in die Luft – heute ist es Teil der Kita „die Gleimstrolche“.

Auf dem Falkplatz wurden in langen Reihen die toten Russen und Deutschen zwecks Identifikation aufgebahrt und an gleicher Stelle provisorisch beerdigt – ein trauriger Tiefpunkt des Platzes als Friedhof.

Da es im Nachkriegsberlin kaum ewas zu essen gab, besannen sich die Anwohner einer alten Tradition des Areals und bauten wieder etwas Essbares an; die Laubenpieper waren zurück!

Anfang der 50-er Jahre bereitete sich Ostberlin auf die III.Weltfestspiele der Jugend und Studenten vor. Im Rahmen des NAW, des „Nationalen Aufbauwerks“ wurde unter mehr oder weniger freiwilliger Hilfe der Berliner, also ohne Bezahlung, der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark erbaut und in diesem Rahmen der Falkplatz wieder begrünt.

Am 17.Juni 1953 standen erneut sowjetische Panzer vor dem Gleimtunnel.

Foto HD

1956 begann die 2.Ausbauphase, in der auch dasPlanschbecken“ mit der „wasserspeienden Robbe“ und einer Rutsche und einem Kinderspielplatz wieder entstanden. Allerdings gab es auch Proteste der Anwohner, da sich die Baumaßnahmen ewig hinzogen.

Doch schon 1961 war Schluss mit einer unbeschwerten Benutzung. Die Wächter kamen wieder, nur trugen sie jetzt Uniform und hatten Maschinenpistolen, sie hießen jetzt „Grenzer“.

Der Gleimtunnel wurde zugemauert, ein Postenturm am Falkplatz errichtet. “Die Böschung des Stadions wurde abgeholzt und der Falkplatz erhielt drei Meter von der Bordsteinkannte an der Schwedter Sraße einen Stacheldrahtzaun. Die Bäume bis zur ersten großen Baumreihe wurden gefällt. Das war auch das Ende der Treppe aus Strieganer Granit.“*

1963 fanden weitere Verschärfungen statt. Die Schwedter Strasse wurde durch einen Sperrgraben ersetzt, der Falkplatz mit Panzersperren aus Bahnschienen „verziert“. Auch Hunde durften wieder laufen, allerdings als Wachhunde in einer Zwingeranlage, die von der Gleimstrasse bis zum Stadion reichte. Es wurde eine Passagierscheinregelung eingeführt, die  alle Häuser bis 100 Meter zur Grenze betraf. 1979 wurde zwei neue Hundelaufanlagen installiert. Die Kosten dafür mußte das Bezirksamt, damals „Rat des Stadtbezirks“ tragen.

Als am 9.November 1989 die Mauer fiel, bekamen die „Gleimviertler“ ihren Platz wieder zurück. 1990 beschloß die Bezirksversammlung die Errichtung eines Mauerparks und Kinderbauerhofs auf dem Gelände der ehemaligen Grenzanlagen.

Im Zuge der Olympiabewerbung Berlins wurde auch der Falkplatz in die Planungen und Wettbewerbsentwürfe mit aufgenommen.

Wie die Geschichte weitergeht, wird im nächsten Beitrag thematisiert.

*zitiert aus:“ Grenzgänger.Wunderheiler.Pflastersteine.Die Geschichte der Gleimstraße in Berlin“. BasisDruck-Verlag GmbH, ISBN 3-86163-091-5

Hartmut Dold

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Das Gleimviertel – ein Update 2.0.5
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