Sonderaustellung „Unbekannt durch Freundesland“

Das Museum Pankow zeigt ab 17. Januar 2015 die Sonderaustellung „Unerkannt durch Freundesland. Illegale Reisen durch das Sowjetreich und deren Fortsetzung in den 1990ern“. Die Eröffnung erfolgt durch Stadtrat Thorsten Kühne am Freitag, den 16.01. um 19 Uhr im Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner, Prenzlauer Allee 227/228, 10405 Berlin.

Gezeigt werden Fotografien, Schmalfilmen, Objekten und Zeitzeugeninterview. Es sprechen der Historiker Pater Jahn, der Politologe Dr. Dimitri Stratievski und der Russ. Orth. Priester, Autor und Filmproduzent André Sikojev.

Sie nannten sich „Transitniks“ oder „UDFler“ – Jugendliche aus der DDR, die sich mit der Mauer und den Reisebeschränkungen nicht abfinden wollten, wählten als Ziel für ihr Fernweh trotzig den „Wilden Osten“.

Mittels eines bürokratischen Tricks, indem sie mit einem Transitvisum ein-, aber nicht gleich wieder ausreisten, erkundeten sie die damalige Sowjetunion nach eigenem Gusto. Das Risiko einer Verhaftung, einer Ausweisung oder Reisesperre nahmen sie in Kauf, ging es doch vor allem darum, sich aus dem grauen Planquadrat DDR zu befreien, mal „richtige“ Berge zu erklimmen und hinter dem Ural den mittelasiatischen Raum oder gar Sibirien für sich zu entdecken.

Diese Reisen waren Abenteuer pur, Exkursionen in Regionen, wohin sonst kein Ausländer kam, aber auch Begegnungen mit den real existierenden sozialistischen Widrigkeiten jenseits der großen Propagandainszenierung vom „Mutterland des Kommunismus“.

Nach 1990 ändert sich alles. Gegen Devisen war der Erhalt eines Visums kein Problem mehr. Bislang aus militärischen Geheimhaltungsgründen für Ausländer gesperrte Regionen wie Kaliningrad oder Kamtschatka wurden zugänglich.

Einige der „Transitniks“ reisten weiterhin nach Russland und in die nunmehr neu entstandenen Staaten. In ihren Fotos dokumentieren sie den Umbruch, und wie ein zerfallendes Riesenreich zwischen Aufbruch und Anarchie, Armut und Chaos versucht, sich neu zu erfinden.

Die zum Teil erstmalig präsentierten Fotoserien von Steffen Bohl, Robert Conrad, Steffen Graupner Christian Hufen, Jan Oelker und Ulli Wannhoff zeigen das Spannungsfeld zwischen sozialistischen Restbeständen und Privatisierung, Verwahrlosung und neuem Konsum, aber auch den Alltag in entlegenen, „abgehängten“ Regionen wie die Beringinsel oder Tschukotka.

Nachdem die Ausstellung seit 2010 erfolgreich durch Deutschland wandert, wird sie nun, um ein neues Kapitel erweitert, bis zum 15. März 2015 im Museum Pankow zu sehen sein.

Die Ausstellung wird vom 17. Januar bis zum 15. März 2015 dienstags bis sonntags 10-18 Uhr gezeigt (Raum 108). Der Eintritt ist frei.

Die Austellung ist ein Projekt der Robert Havemann-Gesellschaft e.V., gefördert durch die Bundeszentrale für Politische Bildung, unterstützt durch das Museum Pankow und die Bibliothek am Wasserturm.

Infos unter Tel.: 030 90295-3917, Mobil: 0176/23434939.

Anmerkung: Vor ca. 3 Jahren war ich mit einem Transnistnik, er hatte glaube ich eine andere Bezeichnung dafür, quer durch Berlin unterwegs, um kostenlose Möbel für unseren Kieztreff abzuholen.

In den gut zwei Stunden hat er mir ausführlich über seine Abenteuer im Kaukasus, im Altai und anderswo zu DDR-Zeiten erzählt. Ich war beeindruckt. Klar, dass solche Typen in der DDR anecken mussten und schließlich in die Fänge der Macht gerieten.

Ich glaube mich zu erinnern, dass es heute auch nicht so gut läuft. Aber das ist schon einige Jahre her. Ihm und allen anderen würde ich einen Ausstellungsbesuch sehr empfehlen.

Hartmut Dold

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