Die Groterjan-Brauerei

Heute gibt es nur noch eine Schautafel mit unterschiedlichen Nutzern, die das Gelände der ehemaligen Groterjan-Brauerei Milastraße/Ecke Cantianstraße im Gleimviertel besiedeln. Um die Jahrhundertwende sah es da noch ganz anders aus.

Im Jahre 1894 wurde das pasteurisierte und damit in Flaschen exportierbare “Groterjan’s Malzbier” patentiert und von 1897 bis 1914 gebraut. Die Brauerei, Büro- und Restaurationsgebäude mit Wirtschaftsräumen an der Cantianstraße wurde 1896-97 errichtet. Der Architekt war Ernst Jacob.

Neben diesem Anwesen erwarb Christian Groterjan zusätzlich ein großes, bisher durch eine Eisengießerei genutztes, aber weitgehend unbebautes Grundstück von 65×80 Meter an der Schönhauser Allee und der damals noch unbenannten Straße 24, der heutigen Milastraße, auch, um sich mit dieser Adresse ein “Denkmal” zu schaffen.

Der Brauereibesitzer beauftragte zwei namhafte Architekten mit der Umsetzung seiner Pläne für eine Festanlage.

Die Architektur dieser Häusergruppe mit Wohn- und Verwaltungsgebäuden, einem Saalbau, Restaurations- und Verwaltungsräumen, einem Biergarten mit Musikpavillon und Wohnungen wurde von Georg Rathenau und Friedrich August Hartmann entworfen und 1907 in einer außergewöhnlichen kurzen Bauzeit von 8 Monaten, trotz Tischler- und Malerstreik errichtet.

Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf beachtliche 1,1 Mill. Reichsmark. Kein billiges Unterfangen. Ein Schnäppchen, wenn man an den BER denkt, von der Bauzeit ganz zuschweigen.

Der Prenzlauer Berg war ein um diese Zeit ein beliebter Stadtort für Brauereien, 25 gab es davon. Brauereien benötigen für ihre Lagerung des untergärigen Biers kühle Standorte in Kellergewölben. In vielen Berliner Lagen ist das nicht möglich, weil der Grundwasserspiegel zu hoch ist. Nicht umsonst heißt deshalb unser Stadtbezirk Prenzlauer Berg.

Leider brach der Malzbier-Umsatz bald ein. 1908 war Groterjan zahlungsunfähig. Es kommt zur Zwangsversteigerung. Nach dem Tode von Christoph Groterjan, dem Firmengründer, fusionierte die Malzbierbrauerei 1912 mit der Berliner Weißbierbrauerei Gebhardt. 1914 erfolgt der Umzug in den Wedding.

Das Bauensemble ist auch noch heute interessant. Die architektonische Formensprache der Gebäude entsprach dem verspielten Stil der deutschen Spätrenaissance, einer Periode mit den charakteristischen Patrizierhäusern des vornehmen Bürgertums.
Dementsprechend wurden auch sämtliche Fassaden stilistisch behandelt. Prächtige Treppenhäuser, repräsentative Wohnungen, Erker, Türmchen und Vorsprünge, die Feinheit der Gliederungen und Profile, sowie der Reichtum der Formen im ornamentalen, der Phantasie im figürlichen Schmuckwerk.

Ein Beispiel dafür ist die „Villa Groterjan”, Milastraße 2. An der Rückseite des ehemaligen Biergartens gelegen, befanden sich im Erdgeschoß das Restaurant und die Portierwohnung, in den oberen Etagen war die sehr komfortabel angeordnete, ausgedehnte Privatwohnung des Brauereibesitzers Groterjan und eine Dreizimmerwohnung für den Prokuristen im ersten Stock. Im dritten und vierten Stock darüber je eine bessere Mittelwohnung von fünf Zimmern für Beamte; außerdem je eine Zweizimmerwohnung.

Heute gibt es dort wieder ein Restaurant, das Rodizio. im Charme einer vergangenen Epoche staunt der Besucher und erfreut sich an brasilianischer Küche und Entertainment.

Neben der „Villa Groterjan“ gab es einen Festsaal. Viel später,  zu DDR-Zeiten, wurde er als Lichtspieltheater genutzt, danach zog der Filmverlei der DEFA dort ein. Zuletzt war er Probesaal der Volksbühne.

Der Festsaal mit seiner gewölbten Decke und einem ausladenden Balkon über der Bühne befindet sich noch im Dornröschenschlaf, er blieb bisher unberührt von den Sanierungsarbeiten und wartet auf eine neue Bestimmung.

Eine weitere Baugruppe der ehemaligen Groterjan-Brauerei befindet sich  an der Schönhauser Allee 129. Alle, die mit der Hochbahn dort vorbeifahren, oder die Bürgersteige benutzen kennen es.

Durch die Nichtbebauung des größeren Frontteils an der Straße ist ein Blick in den ehemaligen Hofbereich möglich, wenn auch auf die ursprünglichen Höfe und den ehemaligen Konzert- und Biergarten verbaut.

Ein Bummel durch das Gleimviertel zwischen Schönhauser Allee, S-Bahn-Trasse, Mauerpark und Eberswalder lohnt sich immer. Geschichtsträchtig, urban, bürger- und familienfreundlich und manchmal auch renitent.

Das Gleimviertel im Prenzlauer Berg – einfach liebenswert!

Hartmut Dold

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BV Gleimviertel – Geschichte
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