Papstrede vor der Kurie in Rom

Vor der Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten gab es eine Ansprache des Papstes im Vatikan. Beide Reden kann man nicht miteinander vergleichen. Auch ist die Konfession verschieden. Manches erscheint fast spiegelverkehrt.

Die Kirche Luthers steht für Reformation. Der große Reformer ist gegenwärtig Franziskus. Er macht seinem historischen Vorbild Franz von Assisi alle Ehre, berücksichtigt man die rund 800-jährige Zeitspanne und und die daraus folgenden historischen, politischen und geistigen Veränderungen.

Der Applaus der Kardinäle und Bischöfe kam nur zögerlich und höchstens als Ritual. Zu sehr hatte er ihnen die Leviten gelesen. Papst Franziskus kam relativ schnell zu Sache. 15 Krankheiten listete der 78-Jährige der Kurie auf.

Sich unsterblich fühlen, Rivalität und Eitelkeit, Schizophrenie, Gerüchte, Gemunkel und Tratsch, Vergötterung der Chefs, Hoffahrt, Prunk -und Geltungssucht, Gleichgültigkeit gegenüber anderen, geschlossene Zirkel und Prahlerei.

Am besten haben uns folgende Krankheiten gefallen:

  • „Die Krankheit der existenziellen Schizophrenie. Das sind derjenigen, die ein Doppelleben führen. Sie schaffen sich eine Parallelwelt“
  • „Die Krankheit der feigen Menschen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemanden zu sprechen, und hinter dem Rücken reden. Brüder schauen wir auf den Terrorismus des Geschschwätzes.“
  • „Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit: Wenn das Auftreten, die Farbe der Kleidung und die Insignien der Orden das erste Ziel im Leben werden.“
  • „Die Krankheit der Gleichgültigkeit gegenüber den Anderen … .“
  • Die Krankheit der „Buchhalter“ oder „Wirtschaftsberater“ aus Bequemlichkeit und Orthodoxie.

Damit macht er sich innerhalb der Kurie wahrscheinlich wenig Freunde. Außerhalb schon eher, selbst bei Atheisten, bei Humanisten sowieso.

Wir finden die Papstsätze auch deshalb bemerkenswert, weil sie nicht nur für die Kirche gelten, sonder im Prinzip für alle hierarchischen Strukturen. Konzerne, Presse, Parteien, Regierungen, Politik und Politiker. Wir wünschen dem Papst ein lages Leben.

Das wird man zu Weihnachten doch noch sagen dürfen?

Hartmut Dold

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