„Böses“ Gedicht zum Fest

Eine Reihe von Online-Magazinen, Blogs und Zeitungen haben es schon vorgemacht und verabschieden sich zum Fest mit einem Weihnachtsgedicht. Da können wir natürlich nicht zurückstehen. Möglicherweise gefällt es nicht allen. Trotzdem ein Frohes Fest allen Lesern.

Berliner Weihnacht 1918

Am Kurfürstendamm da hocken zusamm
Die Leute von heute mit grossem Tamtam.
Brillanten mit Tanten, ein Frack mit was drin,
Ein Nerzpelz, ein Steinherz, ein Doppelkinn.
Perlen perlen, es perlt der Champagner.
Kokotten spotten: Wer will, der kann ja
Fünf Braune für mich auf das Tischtuch zählen ..
Na, Schieber, mein Lieber? – Nee, uns kanns nicht fehlen,
Und wenn Millionen vor Hunger krepieren:
Wir wolln uns mal wieder amüsieren.

Am Wedding ists totenstill und dunkel.
Keines Baumes Gefunkel, keines Traumes Gefunkel.
Keine Kohle, kein Licht … im Zimmereck
Liegt der Mann besoffen im Dreck.
Kein Geld – keine Welt, kein Held zum lieben …
Von sieben Kindern sind zwei geblieben,
Ohne Hemd auf der Streu, rachitisch und böse.
Sie hungern – und frässen ihr eignes Gekröse.
Zwei magre Nutten im Haustor frieren:
Wir wolln uns mal wieder amüsieren.

Es schneit, es stürmt. Eine Stimme schreit: Halt …
Über die Dächer türmt eine dunkle Gestalt …
Die Blicke brennen, mit letzter Kraft
Umspannt die Hand einen Fahnenschaft.
Die Fahne vom neunten November, bedreckt,
Er ist der letzte, der sie noch reckt …
Zivilisten … Soldaten … tach tach tach …
Salvenfeuer … ein Fall vom Dach …
Die deutsche Revolution ist tot …
Der weisse Schnee färbt sich blutrot …
Die Gaslaternen flackern und stieren …
Wir wolln uns mal wieder amüsieren …

Klabund

Ich weiß nicht warum ich Ihnen das antue, aber hat es mich gejuckt. Ich bitte schon vorher um Absolution für mein Elaborat aus dem bekannten Stück „Reim mich, oder ich fress Dich“.

Berliner Weihnacht 2014

Heute tragen die Fahnenträger rosarote Hosenträger.
Die Innenstadt wird gentrifiziert, aufmüpfige Mieter abserviert.
Es ist doch bekannt: Neue Wohnungen braucht das Land!

Berlin wird Weltstadt bitte sehr. Bezahlbare Wohnungen gibt’s nicht mehr.
Sollen doch die Habenichtse ihre sieben Sachen packen.
Und auf ihren Kisten hockend über großes Unrecht schnacken.
Sie gehören an den Rand, Mensch das ist doch längst bekannt.

Hier bei uns am Mauerpark treiben sie’s besonders arg.
Hey Mieter, sei doch nicht dumm, rück mal mit n’em Tausender r’um.
Mehr versteht sich, weniger geht nicht.

Der edle Spender hatte schon immer ’nen Sender.
Und vor ihm fegen die Helferlein seine Wege rein.

Hallo Herr Groth, wie geht’s denn so? Sind sie über ihre Pläne froh?
Oder sind ihre Planungen überschattet von Vor Ahnungen?
Wird schon werden, trotz aller Beschwerden.

H.D.

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Fröhliche Weihnachten allen Lesern!

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