Kurzer historischer Abriss

Im frühen Mittelalter war der Vasall ein Herr, der sich freiwillig als Gefolgsmann in den Dienst eines ranghöheren Herren stellte und sich diesem für bestimmte militärische oder diplomatische Dienstleistungen verpflichtete. Dafür genoss er im Gegenzug den Schutz seines Lehnsherren und seiner Güter.

Komplikationen:

Auch ein Fürst konnte Vasall sein und sich der Oberherrschaft eines anderen Fürsten unterwerfen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Beziehung des englischen zum französischen König im 12. Jahrhundert.

Der englische König hatte zahlreiche Besitzungen in Frankreich, doch diese waren alle Lehnschaften des französischen Königs. Der König von England war also dem König von Frankreich als dessen Lehnsmann untertan.

Als Herzog der Normandie und von Guyenne sowie Graf von Anjou, Maine, Berry, Bretagne, Touraine und Poitou war er zwar der mächtigste Vasall in Frankreich, aber immernoch ein Vasall, also dem französichen König Philipp den II. zu Diensten verpflichtet, obwohl sie hierarchisch gleichgestellt waren.

Koch und Kellner:

In Deutschland gab es beispielhaft den Konflikt zwischen dem Stauferkaiser Friedrich I. (Barbarossa) und seinem Vetter Heinrich IV., dem welfischen Herzog, der über Sachsen und Bayern gebot.

1152 war der Schwäbische Herzog Friedrich III. in der Aachener Münsterkirche Karls des Großen von den Deutschen Fürsten und Bischöfen als Friedrich der I. zum Deutschen König gewählt worden. 1155 setzte ihn Papst Hadrian IV. mit etwas Nachhilfe in Rom die Kaiserkrone aufs Haupt.

Jahrelang hatte der Welfe die italienische Südexpansion unterstützt. Erst im 5. Italienkrieg gegen die lombardischen Städte und das Papsttum hat er seinen Lehnsherren seine Gefolgschaft verweigert. Das hat dieser ihm Übel genommen. Wichtiger war aber wohl die starke Stellung und Expansion von Heinrich im deutschen Kernland, die seine Position stärkte und die einiger Bischöfe und lokaler Fürsten untergrub.

Die Zukunft des sächsischen Herzogtums wurde auf einem Hoftag in Gelnhausen Ende März 1180 geregelt. Heinrich der Löwe wurde als Majestätsverbrecher verurteilt und seine Reichslehen wurden eingezogen.

In der Gelnhäuser Urkunde wurden die Vorwürfe, die zur Verurteilung führten, aufgelistet: die Unterdrückung der Freiheit (libertas) der Kirchen Gottes und der Adligen, die Missachtung der nach Lehnrecht ergangenen dreimaligen Ladung vor das Hofgericht und die mehrfache Verachtung der kaiserlichen Majestät (pro multiplici contemptu nobis exhibito).

Als Nutznießer dieses Konfliktes erhielt Erzbischof Philipp von Köln am 13. April 1180 das westliche Sachsen als neu geschaffenes Herzogtum Westfalen-Engern. Der östliche Teil fiel an Graf Bernhard von Anhalt, der Herzog von Sachsen wurde.

Ende September 1180 wurde auf einem Hoftag in Altenburg auch über das Herzogtum Bayern entschieden. Die Steiermark wurde zum Herzogtum erhoben und dem bisherigen Markgrafen Ottokar von Steier verliehen, Graf Berthold IV. von Andechs erhielt die Herzogswürde für Meranien. Mit dem verkleinerten Herzogtum Bayern wurde der bisherige bayerische Pfalzgraf Otto von Wittelsbach belehnt, die Wittelsbacher regierten in Bayern fortan bis 1918.

Der Welfe Heinrich IV musste 1180 ins Exil gehen. Letztendlich war die Südexpansion über die Alpen hinweg und der Traum vom „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ die Hauptursache für die deutsche Kleinstaaterei im Mittelalter mit weitreichenden Folgen.

Schlussfolgerung:

Ein Vasall war seinem Herrn zu consilium et auxilium verpflichtet, er musste dem Lehnsherrn loyal mit Rat und Tat helfen. Falsche oder ungünstige Ratschläge oder unterlassene Unterstützung konnten Bestrafung oder das Beenden der Vasallität bewirken.

Der Vasall im Feudalismus des 8. Jahrhunderts war der Vorgänger des Lehnsmannes im späteren Mittelalter. Während der Vasall seinem Dienstherrn noch persönlich verpflichtet war, begab sich der Lehnsmann nur über sein Lehen in die Abhängigkeit vom Lehnsherren und war damit weniger abhängig. Die eigentliche lateinische Ableitung als „Vassus  (Knecht) war damit aufgehoben.

Manche behaupten eine ähnliche Abhängigkeit Deutschlands von den USA. Von dieser Ansicht möchten wir uns ausdrücklich distanzieren.

Zweifel haben wir höchstens zu den diplomatischen oder nachrichtendienstlichen Verpflichtungen und zu einigen Fragen in Bezug auf die Menschenrechte. (Abhörskandal, CIA-Folter, Drohnenkrieg). Aber das sind doch Marginalien oder?

siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall

Hartmut Dold

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Vasallentum

Ein Gedanke zu „Vasallentum

  • 19. Dezember 2014 um 20:52
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    Das ist mal ein interessanter Artikel!

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