Ist der Teufel Lokführer?

Wenn man die Kommentare der Mainstreammedien liest und auch noch Fernsehen sieht, steht das Resultat fest. Der Teufel trägt blau-rot und heißt GDL. Sein Wortführer Klaus Weselsky wird zum Abschuss freigegeben. Sachliche Argumentation findet kaum noch statt, nur ein obszönes Kesseltreiben in Richtung Entsolidarisierung der Gesellschaft.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie Urteile nur aus der persönlichen Brille gefällt und verallgemeinert werden und wie Menschen gegeneinander instrumentalisiert werden, obwohl sie selber jederzeit Opfer medialen oder beruflichen Mobbings werden können.

Dabei möchten wir gar nicht auf Andere zeigen

Da der Streik der Lokführer immer auch die Berliner S-Bahn betrifft, die unter der Ägide eines Hartmut Mehdorn ( O mein Gott, er trägt auch noch meinen Vornamen!) heruntergewirtschaftet wurde, waren und sind wir auch mehrfach betroffen. Termine mussten kurzfristig neu abgestimmt werden, na und? Wenigstens hier offenbart sich die Sinnhaftigkeit von Smartphones.

In Berlin kann man solche Probleme irgendwie lösen. Andere hatten es sicher schwerer und wenn man dadurch seinen Urlaubsflieger verpasst oder berufliche Nachteile erleidet, ist wahrscheinlich die Toleranzschwelle überschritten. Wir wollen das nicht klein reden.

Wofür kämpfen die Lokführer?

Sie sind eine der wenigen Gewerkschaften, die sich noch auf gleicher Augenhöhe mit dem Arbeitgeber befinden. Sie als kleine Spartengewerkschaft mit 36.000 Mitgliedern abzuqualifizieren ist absurd. Sie als dümmste Gewerkschaft zu diffamieren fällt auf die Schreiberlinge zurück.

Die GDL kämpft um nicht weniger als um ihre per Grundgesetzt und Bundesarbeitsgericht bestätigten Rechte. Die sollen jetzt durch ein von Arbeitsministerin Nahles vorbereitetes Gesetz, das sich gegenwärtig in der interministeriellen Abstimmung befindet, ausgehebelt werden.

Danach soll für einen Arbeitgeber nur eine Gewerkschaft zugelassen sein. Im Falle der Bahn wäre das die EVG, die ihren letzten Vorsitzenden per Drehstuhleffekt an den Personalvorstand der Bahn verloren hat.

Erpressungsversuche

Jetzt soll die GDL, die älteste Gewerkschaft Deutschlands, auch noch den Kotau machen und sich den Erpressungsversuchen des Staatskonzerns unterwerfen. Der hatte zwar zugestimmt mit beiden Gewerkschaften parallel zu verhandeln. Wenn er sich aber mit seiner Hausgewerkschaft EVG einig wird, soll die GDL auf ihr Streikrecht verzichten.

Das macht die Mannen um Weselsky zu Recht wütend, weil hier Verfassungsrechte und Arbeitnehmerrechte, die ihnen nach dem Betriebsverfassungsgesetz zu stehen, endgültig ausgehebelt werden sollen.

Die GDL ist eine der letzten Gewerkschaften, die die legitimen Arbeitnehmerrechte verteidigt und sich gegen eine Lohnspirale nach unten stellt. Eine der letzten Barrikaden gegen Thatcherismus und Pauperismus.

Fazit

Die „dumme GDL“ wird nur dann verlieren, wenn sich die in der Bahn Beschäftigten weiter von Talkshows und Leitartikeln verdummen lassen. Wenn sie ihre wahren Interessen begreifen, werden sie in die GDL eintreten. Dann hat der „dumme Sachse“ Weselsky am Ende gesiegt und Deutschland wird es dadurch nicht schlechter gehen.

P.S. Auch Klaus Weselsky wurde von der Bahn-AG ein unsittliches Angebot gemacht als Personalvorstand für sehr viel mehr Geld in den Staatskonzern zu wechseln. Das hat er abgelehnt im Unterschied zu Transnet-Hansen, dem ehemaligen Chef der Gewerkschaft, die jetzt EVG heißt und alle 10 paritätischen Vorstände bei der Bahn AG besetzt.

Nur zur Erinnerung: Herr Pofalla wird für ein mehr als üppiges Gehalt in den Bahnvorstand des Staatskonzerns gehievt. Für die Lokführer und Bahnbediensteten bleibt nur ein Appel und ein Ei. Das ist einigen noch zu viel. Neben dem Geld möchten sie ihre Rechte rauben.

Hartmut Dold

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Gleimviertel – Kolumne

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