Mutationen des Bösen – kurzer Abriss

Das Böse ist nah, auch wenn in unserem Falle nur dem Namen nach und in Gestalt der Böse-Brücke, im Volksmund auch Bornholmer genannt. Sonst kommt das Böse meist aus dem Osten. Aus Thüringen, von Putin oder in Person von Claus Weselsky, dem leicht sächselnden Scheff der GDL.

Die Brücke

Fangen wir bei der Brücke an. Sie wird bald Schauplatz für die Feiern zum 25. Jahrestags des Mauerfalls sein. Es ist schon erstaunlich, dass in diesen opportunistischen Zeiten die Brücke ihren Namen behalten hat und nicht in Hindenburgbrücke zurückgetauft wurde.

Immerhin war ihr jetziger Namensgeber Wilhelm Böse Kommunist und hatte an der Bornholmer Straße für die Rote Fahne, dem Parteiorgan der KPD und für Spenden für inhaftierte Antifaschisten gesammelt. Nach ersten Weltkrieg als Soldat und Rückkehr aus russischer Gefangenschaft wurde er Mitglied und Funktionär der KPD im Prenzlauer Berg. 1934 wurde er verhaftet und saß 2 Jahre im Zuchthaus ein.

Im Faschismus

Nach seiner Haft hielt er wieder Kontakt zu seinen Genossen und beteiligte sich am Aufbau der Widerstandsorganisation um Robert Uhrig und John Sieg. Im Februar 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet und zwei Jahre lang in Konzentrationslagern inhaftiert.

Anschließend kam er ins Gerichtsgefängnis Potsdam. Am 21. Juni 1944 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zusammen mit Arthur Sodtke, Johann Pierschke, Walter Strohmann und Hermann Tops zum Tode. Das Urteil wurde im Zuchthaus Brandenburg-Görden im August 1944 vollstreckt.

Das Böse heute

Das gegenwärtig Böse begegnet uns den Mainstreammedien zu Folge in Gestalt des russischen Präsidenten. Der hat sich die Krim gekrallt, steckt hinter den Separatisten in der Ostukraine, will uns das Öl-und Gas abdrehen, schickt angeblich U-Boote und Aufklärungsflugzeuge in den Ostseeraum und wird indirekt auch für den Abschuss von MH-17 verantwortlich gemacht.

Eine weitere Mutation des Bösen, in allerdings abgeschwächter Form, ist  jetzt in Thüringen aufgetaucht. Wahrscheinlich gibt es dort eine Rot-Rot-Grüne Landesregierung. Unerhört, jetzt haben die sogar eine Formulierung hingekriegt, dass die DDR doch ein Unrechtsstaat gewesen sei und blöd auch, dass Bodo Ramelo aus dem Westen kommt. Vielleicht kann man noch den einen oder anderen Abgeordneten aus Gewissensgründen (Hessen/Ypsilanti) zum Übertritt bewegen?

Der Nahe Osten

Wie gesagt: Das Böse kommt immer aus dem Osten, zudem bekanntlich auch der Nahe Osten gehört. Dort treibt eine religiös motivierte Söldner- und Mörderbande mit Namen IS ihr Unwesen. Ihre Definition als „Das Böse schlechthin“ ist evident und Konsens, aber sonst wird auch zwischen den Guten (Peschmerga) und den Bösen Kurden (PKK/YPG) unterschieden. Die sind zwar die Einzigen, die die ansässige Bevölkerung verteidigen, dem Nato-Partner Türkei aber aus bekannten Gründen suspekt.

Zu diesen Mutationen des Bösen haben wir nur beschränkte Kenntnisse und maßen uns keine Urteile an. Zu dem neuen Bösen bei uns schon.

GDL

Es ist immer wieder erstaunlich, wie Urteile nur aus der persönlichen Brille gefällt und verallgemeinert werden. Dabei möchten wir gar nicht auf Andere zeigen.

Da der Streik der Lokführer immer auch die Berliner S-Bahn betrifft, die unter der Ägide eines Hartmut Mehdorn ( O mein Gott, er trägt auch noch meinen Vornamen!) heruntergewirtschaftet wurde, waren wir auch mehrfach betroffen. In Berlin kann man solche Probleme irgendwie lösen. Andere hatten es sicher schwerer und wenn man dadurch seinen Urlaubsflieger verpasst oder berufliche Nachteile erleidet, ist wahrscheinlich die Toleranzschwelle überschritten.

Wofür kämpfen die Lokführer?

Sie sind eine der wenigen Gewerkschaften, die sich noch auf gleicher Augenhöhe mit dem Arbeitgeber befinden. Sie als kleine Spartengewerkschaft mit 32.000 Mitgliedern abzuqualifizieren ist absurd. Sie als dümmste Gewerkschaft zu diffamieren fällt auf die Schreiberlinge zurück.

Die GDL kämpft um nicht weniger als um ihre per Grundgesetzt und Bundesarbeitsgericht bestätigten Rechte. Die sollen jetzt durch ein von Arbeitsministerin Nahles vorbereitetes Gesetz, das sich gegenwärtig in der interministeriellen Abstimmung befindet, ausgehebelt werden.

Danach soll für einen Arbeitgeber nur eine Gewerkschaft zugelassen sein. Im Falle der Bahn wäre das die EVG, die ihren letzten Vorsitzenden per Drehstuhleffekt an den Personalvorstand der Bahn verloren hat.

Die GDL ist eine der letzten Gewerkschaften, die die legitimen Arbeitnehmerrechte verteidigt und sich gegen eine Lohnspirale nach unten stellt. Eine der letzten Barrikaden gegen Thatcherismus und Pauperismus.

Die „dumme GDL“ wird nur dann verlieren, wenn sich die in der Bahn Beschäftigten weiter von Talkshows und Leitartikeln verdummen lassen. Wenn sie ihre wahren Interessen begreifen, werden sie in die GDL eintreten. Dann hat der „dumme Sachse“ Weselsky am Ende gesiegt und Deutschland wird es dadurch nicht schlechter gehen.

P.S. Auch Klaus Weselsky wurde von der Bahn-AG ein unsittliches Angebot gemacht als Personalvorstand für sehr viel mehr Geld in den Staatskonzern zu wechseln. Das hat er abgelehnt im Unterschied zu Transnet-Hansen, dem ehemaligen Chef der Gewerkschaft, die jetzt EVG heißt und alle 10 paritätischen Vorstände bei der Bahn AG besetzt.

Hartmut Dold

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Gleimviertel – Kolumne

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