Zu den aktuellen Plänen der Groth-Gruppe im Mauerpark

Jetzt werden also die 60.000 Hochglanzbroschüren der Groth-Gruppe an die Anwohner des geplanten Neubaugebietes nördlich des Gleimtunnels verteilt. In den Briefkästen der Brunnen- und der Gleimviertler wurden sie schon gesichtet. Schöne heile Welt, wenn da nicht die Bahngleise am Nordrand wären.

Lage, Lage, Lage – das ABC der Immobilienwirtschaft

Man braucht nur einen Blick auf Google Maps zu werfen, um zu erkennen, dass die Lage des neuen Baufeldes, im Norden des Mauerparks, am Gleisbett eines der größten Eisenbahn-und Nahverkehrsknotenpunkte Westeuropas liegt und nicht gerade 1a ist.

Bisher wurde zwar behauptet: Der nördlich des Gleimtunnels gelegene Teil des Mauerparks, sei das Filetstück des Mauerparks, aber wir wissen es besser, weil wir Hörproben gemacht haben. Die sind wohl auch in ein bisher nicht veröffentlichten Hörschutzgutachten eingeflossen und haben zu einer noch massiveren Bauplanung geführt.

Den Schaden werden die Bewohner des 7-geschossigen Querriegels haben, der parallel zu den Gleisen gebaut werden soll, also Studenten und sozial Schwächere. Die sollen in der Lärmschutzwand wohnen, damit besser bezahlende Mieter oder Eigentümer ihre Ruhe haben.

Wer einmal die Kakophonie der pfeifenden Toaster (S-Bahn-Baureihe) oder das ununterbrochene Geräusch der Pumpenstation, die verhindert, dass das tiefer gelegene Bahngelände unterflutet wird, gehört hat, weiß wovon wir sprechen.

Gefährdungen

Neben den S-Bahn und Fernverkehrszügen fahren auch Güterzüge bestimmten oder unbestimmbaren Inhalts am neuen Wohngebiet vorbei. Man kann nicht ausschließen, dass darunter Waggons mit brennbaren oder explosiven Flüssigkeiten ( Erdöl, Flüssiggas, Chemikalien) sind. Dann wäre eine Explosions- und Katastrophengefahr real. Wurde ein entsprechendes Gefährdungsgutachten eingeholt?

Auf den vorliegenden Planungsdokumenten wurden die Baukörper bisher sehr vage dargestellt. Wie wird die Realität aussehen? Nicht vergessen: Die Werbeflyer der Groth-Gruppe sollen vordergründig informieren, dienen aber in erster Linie dem Vertrieb.

Risiken und Nebenkosten

Die Exploration des zukünftigen Baugebiets im Norden ist mit Risiken und Nebenwirkungen für das Land Berlin behaftet. Die Erschließung des ehemaligen Bahngeländes, über das 2 Weltkriege hinweggegangen sind, und von dem ab 1943 die Deportation Berliner Juden in die Gaskammern erfolgte, ist von Altlasten und Neulasten durch den Betrieb von Gewerbe wie KFZ-Reparatwerkstätten, Chemie- und Baustoffhandel, etc. kontaminiert.

Aber die Juristen der Immo AG waren clever genug, diese Lasten Berlin überzuhelfen.

Aus dem städtebaulichen Vertrag:

§ 5/Abs.6:
“Berlin hatte ausreichend Zeit und Gelegenheit den Erwerbsgegenstand auch auf schädliche Bodenveränderungen … zu untersuchen. Das Risiko des Vorhandenseins schädlicher Bodenveränderungen und von Altlasten trägt allein Berlin. Berlin stellt … CA Immo und deren Rechtsvorgänger im Eigentum von jeder Haftung nach BbodSchG, WHG oder KrW-/AbfG frei. Berlin stellt CA Immo und deren Rechtsvorgänger von sämtlichen Ansprüchen einschließlich Ausgleichsansprüchen nach §24 Abs.2 BbodSchG frei.”

Die Zeche bezahlt in jedem Fall Berlin!

Aber es kann noch schlimmer kommen

Besonders für die Anwohner der Gleim- und Schwedter Straße. So heißt es in Teil B hinsichtlich der Erschließung:

§7/Abs.1:
„Die Vertragspartner gehen davon aus, dass die Erschließung des Wohngebiets mit Elektrizität und Wasser sowie die Abwasserentsorgung durch die in der Gleimstraße und in der Schwedter Straße vorhandene Infrastruktur erfolgt. Sollte dies nicht der Fall sein, wird Berlin die zuständigen Versorgungsträger im Rahmen ihrer bestehenden gesetzlichen und vertraglichen Verpflichtungen veranlassen, die Erschließung zeitgerecht sicherzustellen.“

§ 7/Abs.2:
„Die Vertragsparteien werden sich insoweit bemühen , Erschließungsformen zu finden, bei denen keine zusätzliche Baukostenzuschüsse des Grundstückseigentümers anfallen. Soweit Leitungsführungen über Flächen im Eigentum von Berlin erforderlich werden, die keine öffentlichen Verkehrsflächen sind,  gewährt Berlin entsprechende Leitungsrechte.“

§ 7/Abs.3:
„Die Regelungen der Abs.1 und 2 gelten für Gas, Fernwärme und Telekommunikation entsprechend.“

Willkommen im Buddelkasten liebe Anwohner auf der Pankower Seite!

Dafür zahlt der Steuerzahler:

– 2 Mio Kaufpreis für die Fläche an die Immo AG
– 1,5 Mio für den Gleimtunnel/Erschließung
– 1,425 Mio Kostenausgleich an die Immo AG
– 10% aller Erschließungskosten der Immo AG

… macht Minimum 5 Mio Euro, Ein tolles Schnäppchen?

siehe auch: http://www.gleimviertel.de/archives/4996

und: http://www.gleimviertel.de/archives/tag/bauch

PS: Wen es interessiert

Das Bahngelände gehörte nicht der Deutschen Bahn, wie fälschlicherweise im Flyer der Groth-Gruppe dargestellt wurde, sondern der Deutschen Reichsbahn/DDR. Es kam im Zuge der Wiedervereinigung zur Deutschen Bahn und war vorher „Volksvermögen“, irgendwie aber auch Staatseigentum, jedenfalls nicht in privater Hand.

Im Zuge des neoliberalen Privatisierungswahns wurden die Bahnflächen, viele davon in Berlin, von der Bahn-Tochter Vivico an die CA-Immo AG mit Sitz in Wien für rund 1.02 Milliarden verscherbelt.

Die Profis wussten, je länger man die Flächen vorhält, desto größer der legale Reibach. Wie in der Politik auch in der Wirtschaft – die Drehtüren. Herr Thomsen erst bei Vivico, dann bei Immo und jetzt bei Groth. Gut das man sich kennt!

Ist es nicht befremdlich und gefährlich, dass die größten Vermögen über Spekulationen gemacht werden? Diese Fragestellung hat aber nichts mit dem Thema zu tun.

Hartmut Dold

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Wohnen und Leben am Eisenbahnkreuz?

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