Social freezing

Wer bei Apple oder Facebook arbeitet, ist nicht in einem gewöhnlichen Unternehmen beschäftig, sondern arbeitet ganz vorne auf der Future-Welle mit. Es geht nicht bloß um einen Job. Das wurde jetzt wieder deutlich bei dem unethischen Angebot, sich an den Kosten für eine Vitrifizierung zu beteiligen, wenn ihre weiblichen Angestellten ihren Kinderwunsch zurückstellen.

Wir würden social freezing eher mit soziale Kälte übersetzen. Aber offensichtlich ist etwas anderes gemeint. Es geht um das Schockfrosten von eigenen Eizellen für eine spätere Schwangerschaft.

Nach einer Hormonstimulierung, bei der der Körper dazu gebracht wird, möglichst viele Eizellen zu produzieren, werden diese anschließend unter örtlicher Betäubung entnommen und in Stickstoff bei minus 196 Grad gelagert.

Vitrifikation heißt das Verfahren. So liegen die Eizellen bereit, allzeit verfügbar, sollten die Frauen sich zu einem späteren Zeitpunkt in ihrem Leben für eine Schwangerschaft entscheiden. Dann werden die Eizellen aufgetaut, mit den Spermien des Partners im Reagenzglas befruchtet und der Frau wieder eingesetzt.

Ein Wunschtraum auch für ganz normale Frauen, die aus Jobgründen oder weil sie noch nicht den richtigen Partner gefunden haben, ihre Familienplanung verschieben müssen? Oder der endgültige Beweis, dass lohnabhängige Arbeitnehmer zur Spielmasse der Kapitalverwertung werden? Die Risiken jedenfalls werden outgecourct.

Gesundheitliche Risiken

Was auf den ersten Blick nach selbstbestimmter Familienplanung aussieht, beurteilen viele Experten äußerst kritisch. Dazu sind der Aufwand und die gesundheitlichen Risiken viel zu hoch.
Allein die Hormonstimulation kann zu Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme, Zystenbildungen und Durchblutungsstörungen führen. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose.

Ethische und rechtliche Fragen

Auch ethische und rechtliche Fragen stellen sich: Wie lange etwa dürfen die Eizellen aufgehoben werden? Die Rechtslage dazu ist nicht eindeutig. Theoretisch könnte das Material für das Baby in spe endlos gelagert werden. Prinzipiell kann eine junge Frau also in hundert Jahren die Eizelle ihrer Urgroßmutter erhalten. Was ist mit den Belastungen für eine biologisch alte Mutter, die in jungen Jahren einfach besser verkraftbar sind?

Sollten diese Fragen nicht erst mal geklärt werden bevor derart unsittliche Angebote öffentlich gemacht werden?

Hartmut Dold

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Ein unethisches Angebot

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