Zur Erinnerung

Heute am 7. Oktober vor 25 Jahren hat die DDR ihr 40. Jubiläum gefeiert. Das war ihr letztes. Wir waren an diesem Tag auf der Schönhauser Allee unterwegs. Am U-und S-Bahnhof waren Räumfahrzeuge mit Schutzschilden aufgefahren. Dann kam der Befehl loszuknüppeln. Da sind wir losgerannt.

Im Palast der Republik wurde die Internationale gesungen, das war das übliche Ritual. Aber auch auf der anderen Seite der Spree sangen demonstrierende Bürger die selbe Melodie. „Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht, die Internationale erkämpft das Menschenrecht.“

Das Menschenrecht auf freie Wahlen, Reisefreiheit, Versammlungsfreiheit ( mit Einschränkungen) haben sich die Bürger der DDR in den nachfolgenden Wochen erkämpft. Manche, wie ein verbitterter Altbundeskanzler halten das alles für Mummpitz, heißt es heute. Solche und andere Politiker haben wenig von Geschichte begriffen, auch wenn sie von Haus aus Historiker waren.

Es ist ein Zusammenspiel von Massenprotesten, internationalen Großwetterlagen und entschlossen handelnden Politikern. Letzteres kann man Kohl nicht abstreiten, aber er war nicht das wichtigste Glied in der Kette.

Manchmal schlägt Evolution in Revolution um. Das wissen sogar Molekularbiologen wie Jens Reich, Mitbegründer des Neuen Forum und einer der Redner auf der Großdemonstration am 4. November 1989. Katastrophische Übergänge und Sprünge in natürlichen und gesellschaftlichen Systemen sind für ihn, der Jahrzehnte an der Genomforschung arbeitete, eher etwas normales.

Das mag sich heute, wo alles scheinbar normal läuft, betrachtet man Deutschland isoliert, anders darstellen. Zieht man den Fokus auf die internationale Ebene und erweitert den Zeithorizont, sieht es möglicherweise anders aus.

Den auf Ablenkung, Konsum und Verdrängung getrimmten Normalbürger ficht das nicht an. Es sei denn sein iPhone 6 funktioniert nach dem letzten Update nicht mehr richtig und sein Erspartes ist auf einmal nichts mehr Wert.

Heute am 7. Oktober ist die Gefahr eines Genozids in Kobane an der türkisch-syrischen Grenze groß. Wenn die Kurden machtpolitischen Interessen geopfert werden, was bleibt dann noch hinsichtlich unserer Werte.

Hartmut Dold

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Gedanken zum 7. Oktober

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