Schule im Gleimkiez – Geschichte und Gegenwart

Von den prägenden Gebäuden des Gleimviertels ist die Schule am Falkplatz hinsichtlich ihrer sozialen Funktion eines der Wichtigsten. Über 700 Schüler werden hier unterrichtet. Zudem hat die Schule eine alte Tradition. 1915 zog hier im Schulpalast des Nordens das Luisenstädtische Gymnasium ein, ab 1928 in Heinrich-Schliemann-Gymnasium umbenannt. Ihr damaliger Rektor Paul Hildebrandt ist unvergessen.

Er hatte das Gymnasium in alter human-demokratischer Tradition geführt und war 1932, vor dem Machtantritt der Nazis in Rente gegangen. Das hat ihn nicht vor ihrer Verfolgung bewahrt. Der Schriftsteller Stefan Heym konnte hier sein Abitur machen, dass ihm wegen Aufmüpfigkeit in Chemnitz verwehrt worden war.

In seinem autobiographisch angelegten Roman „Nachruf“ hat Heym Hildebrandt ein literarisches Denkmal gesetzt. Aus den Zeilen, in denen er Jahrzehnte später seine Zeit an der Schliemann-Schule schilderte, spricht sowohl die Bewunderung für die Atmosphäre an diesem Gymnasium wie auch die hohe Wertschätzung für den Schulleiter

Wir erwähnen das Wirken von Hildebrandt deshalb, weil er einer der ersten Vorreiter einer demokratischen, auch an Schülerinteressen orientierten Schulpolitik war.

Mit zu den ersten Veränderungen an der Schule gehörte, die den Schülern gebotene Möglichkeit, ihre Wünsche, Klagen und Beschwerden, auch über Lehrer, unmittelbar beim Rektor vortragen zu können. Zudem räumte er den gewählten Vertretern der Schülerschaft ein breites Mitspracherecht in schulischen Belangen ein.

Schülerselbstverwaltung, berufsorientierende Exkursionen in Betriebe, mehrwöchige Aufenthalte im Schullandheim und erlebnisreiche Ferienfahrten waren an seiner Anstalt bald Selbstverständlichkeit.

Darüber hinaus suchte Hildebrandt in Anbetracht der Sorgen und Nöte in vielen Elternhäusern die Schüler durch vielfältige Freizeitangebote noch enger an die Schule zu binden. So bestanden in der Schliemann-Schule ein Schülerorchester, eine Theatergruppe, eine Ruderriege, ein Tennisverein und eine Vielzahl von Arbeitsgemeinschaften zu den unterschiedlichsten Interessengebieten.*

Gegenwart

Wir erinnern daran, weil heute Bildungssenatorin Sandra Scheeres zusammen mit dem Präsident des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, vor zahlreichen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräften das neue Handbuch „SELBST.BESTIMMT“ für Berliner Schülervertretungen (SV) vorgestellt hat.

In der Presseerklärung des Senats vom 01.10.2014 heißt es: „Das Handbuch bietet eine ausführliche Hilfestellung über viele Themenbereiche, damit sich Schülerinnen und Schüler aktiv an der Schulpolitik beteiligen können.“

Es klärt darüber auf, welche Mitwirkungsmöglichkeiten Schülervertretung haben und was sich für Mitschülerinnen und Mitschüler erreichen lässt.

Viele der heutigen Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhauses und auch Akteure von zivilgesellschaftlichen Initiativen hätten ihr Engagement in der Schülervertretung begonnen. „Das Handbuch soll Jugendliche für eine aktive Teilnahme an der Schule begeistern und ihren Gestaltungswillen fördern.“

Darüber würde sich der ehemalige Rektor Hildebrandt gewiss freuen. Vielleicht würde er eine stärkere Einbindung in den Kiez fordern und sich für Eltern einsetzen, die Bildungsfahrten ihrer Kinder nicht finanzieren können. Mit der inhaltlichen Ausrichtung wäre er sicher einverstanden und auch mit den zahlreichen Partnerschaften und Förderern.

Hartmut Dold

siehe: * http://www.gleimkiez.de/2002/03/ohm-paul-und-die-heinrich-schliemann-schule/

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Neues Handbuch für Berliner Schülervertreter

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