Bemerkenswerte Papstrede zum Krieg

Anlässlich der Gedenkfeier für die Opfer des 1.Weltkrieges am 13.09. 2014 hat Papst Franziskus auf der militärischen Gedenkstätte in Redipuglia/Italien eine weitere wichtige Rede gehalten. Sein Thema war diesmal logischerweise der Krieg. Wir erwähnen das wegen seiner aktuellen Bezüge. Franziskus sprach von einem „dritten Weltkrieg in Abschnitten“, der bereits ausgefochten wird.

In der offiziellen Übersetzung des Vatikans heißt es:

„Nachdem ich die Schönheit der Landschaft dieser ganzen Gegend betrachtet habe, wo Männer und Frauen arbeiten und so ihre Familie voranbringen, wo die Kinder spielen und die Alten träumen…, kann ich nun hier an diesem Ort nur sagen: Der Krieg ist ein Wahnsinn.

Während Gott seine Schöpfung weiterführt und wir Menschen berufen sind, an seinem Werk mitzuarbeiten, schafft der Krieg Zerstörung. Er zerstört auch das Schönste, was Gott erschaffen hat: den Menschen. Der Krieg bringt alles in tiefste Verwirrung, auch die Bande unter Brüdern. Der Krieg ist wahnsinnig, sein Entwicklungsplan ist die Zerstörung: der Wille, sich zu entwickeln durch die Zerstörung!“

Wir wissen nicht, ob er mit der „Bande unter Brüdern“ den Bürgerkrieg in der Ukraine gemeint hat oder den zwischen den semitischen Stämmen im Nahen Osten. Möglich wäre es schon.

Weitere bemerkenswerte Sätze:

„Habgier, Intoleranz, Machstreben – das sind Motive, welche die Kriegsentscheidung vorantreiben, und diese Motive werden häufig durch eine Ideologie gerechtfertigt…
Auch heute, nach dem zweiten Scheitern eines weiteren Weltkriegs kann man vielleicht von einem dritten Krieg reden, der „in Abschnitten“ ausgefochten wird, mit Verbrechen, Massakern, Zerstörungen…“

wie ist das möglich?

„Es ist möglich, weil es auch heute hinter den Kulissen Interessen, geopolitische Pläne, Geldgier und Machthunger gibt, und es gibt die Waffenindustrie, die anscheinend so wichtig ist!
Und diese Terrorplaner, diese Organisatoren der Konfrontation wie auch die Waffenhändler haben in ihr Herz geschrieben: „Was geht mich das an?“

Den Weisen ist es eigen, ihre Fehler einzugestehen, sich über sie zu grämen, sie zu bereuen, um Verzeihung zu bitten und zu weinen. Mit jenem „Was geht mich das an?“, das die Geschäftemacher des Krieges im Herzen haben, verdienen sie vielleicht viel, aber ihr verdorbenes Herz hat die Fähigkeit zu weinen verloren.“

Imperialismuskritik

Diese Mahnungen und Warnungen hat Franziskus bereits vor einigen Wochen in der spanischen Zeitung La Vangurdia ausgesprochen, indem er noch konkreter wurde:

„Die führenden Volkswirtschaften in der Welt sanierten ihre Bilanzen mit der Produktion und dem Verkauf von Waffen. Sie opferten den Menschen dem Idol des Geldes. Wenn man Fotos von unterernährten Kindern aus verschiedenen Teilen der Welt sieht, kratzt man sich am Kopf. Das versteht man nicht, Das Wirtschaftssystem sollte im Dienst des Menschen stehen. Aber wir haben das Geld in den Mittelpunkt gerückt, das Geld als Gott.”

Weise Worte eines weisen Mannes, der zugleich Oberhaupt der Katholischen Kirche ist – ein echter Franziskus eben, Respekt!

siehe auch: http://www.gleimviertel.de/archives/16878

Hartmut Dold

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