Posse um das Lenindenkmal

Seit 1970 stand Lenin als Denkmal am gleichnamigen Leninplatz in Ost-Berlin. 1991 beschlossen die Bezirksvertreter von Friedrichshain seinen Abriss. Da der Granit aus der Ukraine widerstandsfähiger war als erwartet, gestaltete sich die Aktion schwierig und dauerte mehrere Monate bis zum Februar 1992.

Der abgesägte 3,5 Tonnen schwere Kopf sollte jetzt im Rahmen der Ausstellung „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler“ neben anderen Objekten gezeigt werden. Aber die Berliner Verwaltung zickt rum.

Angeblich wisse man nicht genau wo die 129 Teile des Denkmals verbuddelt seien. Mutmaßlich wurde er in einer Sandgrube am Seddinberg bei Müggelheim vergraben. Andere wollen wissen, dass dem Kopf ein Ohr fehlt und erst umfangreiche Restaurierungsarbeiten nötig seien. Das hat natürlich Gregor Gysi auf den Plan gebracht, weil Treptow-Köpenick sein Wahlbezirk ist.

In dem Film Good Bye, Lenin! schwebte der Kopf Lenins, allerdings mit Rumpf, an der nach einem Koma nach der Wende erwachten Hauptdarstellerin des gleichnamigen Films vorbei. Sie konnte sich das nicht erklären. Das hat sie mit uns gemein.

Was bitte spricht gegen das Zeigen des Leninkopfes im Rahmen einer klar definierten Ausstellung in der Zitadelle Spandau. Wie bigott ist denn das – zumal finanzielle Aspekte hier nicht entscheidend sind. Wer hat hier Bretter vor dem Kopf?

Mit Geschichte, auch der russisch-deutschen muss man sich auseinandersetzen, heute mehr denn je. Lenin und sein ehemaliges Denkmal am heutigen Platz der Nationen wäre ein guter Anlass.

Hartmut Dold

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Der verbuddelte Lenin

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