Nicht schon wieder!

Olympische Spiele in Berlin? Viele Leute in der Stadt schütteln fassungslos den Kopf über diese völlig orientierungslos regierenden Berliner Politiker. Für die Bewohner des Gleimviertels hat diese neueste Schnapsidee von Wowereit und Henkel einen besonders bitteren Beigeschmack. Als Anfang der 1990er Jahre ein CDU-SPD-Senat schon einmal auf die Idee kam, sich um die Olympischen Spiele zu bewerben, keimte Frust und Widerstand im Gleimviertel erst langsam auf. Aber 1993 war der Kiez ein Brennpunkt der NOlympia-Bewegung.

Olympiaplanung 1993 – rücksichtslos und stadtfeindlich und ohne Bürgerbeteiligung

Der Jahn-Sportpark sollte eine wichtige Austragungsstätte der Olympiade 2000 in Berlin sein. Dazu sollten das Stadion vollkommen modernisiert und zwei neue Olympia-Sporthallen für die Judo- und Boxwettkämpfe errichtet werden.

Den Anwohner aus dem Gleimviertel und der Oderberger Straße wurde mit bekannt werden der Baupläne rasch bewusst, dass hier unter grober Missachtung der Folgen für ihre Wohngebiete für hunderte Millionen Großsporthallen errichtet werden sollten.

Ganz abgesehen davon, dass man das Geld besser für eine Sanierung der maroden Wohnhäuser oder der Schulen und Kitas hätte einsetzen können, erboste die Anwohner, dass hier ohne Planverfahren, ohne Bürgerbeteiligung, ohne Umweltprüfungen und ohne fundierte Verkehrsgutachten  drei Großveranstaltungsstätten konzentriert werden sollten.

So schlossen sich eine ganze Reihe vom Bürgerinitiativen zusammen und strebten ein „Bürgerbegehren Olympiabauten im Prenzlauer Berg“ an, mit dem eine transparente und demokratische Planung durchgesetzt werden sollte. Der Senat hat daraufhin den Baubeginn einfach vorverlegt.

Die Anwohner des Gleimviertels waren besonders sauer, als sie zudem erfuhren, dass zwar Geld für Olympiabauten da sei, aber das Wohngebiet wegen der klammen Stadtkasse nicht mehr als Sanierungsgebiet festgesetzt werden sollte.

Der Senat sperrte die protestierenden Anwohner mit erheblichen Polizeiaufgebot von der Grundsteinlegung im Juni 1993 aus. Dennoch konnten sich die protestierenden Anwohner und NOlympia-Demonstranten weithin sicht- und hörbar machen. Der Einladung der Bürger an den Runden Tischen verweigerte sich Bürgermeister Diepgen (CDU) und Bausenator Nagel (SPD).

Olympialüge 1 – Soziale Stadterneuerung

Bei der Grundsteinlegung zur Max-Schmeling-Halle verkündete Bausenator Nagel noch in der Baugrube den versammelten Pressevertretern, dass das Gleimviertel nun doch ein Sanierungsgebiet werden würde. Mit Städtebaufördermittel werde eine sozialverträgliche Sanierung der Wohnhäuser rings um diese Olympiastätte erfolgen.

Nach dem schmählichen Scheitern der Berliner Bewerbung wenige Wochen später, wollte der Senat von diesem Versprechen nichts mehr wissen. – 1,2 Mrd. DM wurde in die drei Prenzlauer Berger Großsporthallen betoniert, statt eine soziale und behutsame Stadtsanierung zu befördern. Das Gleimviertel  wurde saniert, aber fast gänzlich privat finanziert und damit unsozial. Die Wohnbevölkerung von 1993 ist weitgehend verdrängt.

Olympialüge 2 – Mauerpark

Ein weiteres Olympia-Versprechen für die skeptischen und kritischen Anwohner war die Erfüllung der seit 1990 erhobenen Forderung nach dem „Mauerpark“ zwischen Prenzlauer Berg und Wedding.

20 Jahre danach ist das Versprechen nicht eingelöst. Wenn jetzt dieser versprochene Mauerpark mittels eines dubiosen Grundstücksdeals mit der Groth-Gruppe realisiert werden soll, dann wird das Olympia-Versprechen aus dem Jahre 1993 endgültig gebrochen. Der Mauerpark südlich des Gleimtunnels sollte Bestandteil eines umfassenden Grünzuges werden, der über das Nordkreuz bis zum Humboldthain reichen sollte. Das hatte das Abgeordnetenhaus von Berlin 1994 im Flächennutzungsplan beschlossen.

Fazit

Nach all den gebrochenen Olympia-Versprechen des CDU-SPD-Senats ist die neuerliche Bewerbungsabsicht des heutigen Senats für die Bewohner der Wohnviertel um Jahn-Sportpark und Mauerpark eine noch größere, provokative Zumutung als für viele andere Berlinerinnen und Berliner ohnehin.

Mit einem Bruchteil der nun veranschlagten Bewerbungskosten hätten Mauerpark und Grünzug lange realisiert sein können. Ganz zu schweigen von den Durchführungskosten, die heute mit über 2 Mrd. Euro veranschlagt werden. Was gemäß Berliner Planungs- und Bauart getrost auf 4 Mrd. € – knapp kalkuliert – „aufgerundet“ werden darf.

Olympia-Blase – reloaded? Noch mal? – Nee, Danke!

Herr Wowereit – wir sind nicht amüsiert!

M. Nelken

BV Gleimviertel

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Déjà vu – Olympia im Gleimviertel?

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