Parallelen der Geschichte

In jungen Jahren haben wir Franz Werfels Buch „die 40 Tage des Musa Daghs“ gelesen. Er beschreibt dort die Vertreibung und Auslöschung der Armenier in der Türkei während des 1. Weltkrieges. Das Schicksal der Menschen des Libanongebirges hat uns tief bewegt – genauso wie das der Jesiden, Christen und schiitischen Muslimen um Sindschar und im Nordirak und Syrien.

Jetzt sind wieder aus religiösen und politischen Motiven verfolgte Menschen auf einen Bergrücken, den Sindschar, geflüchtet. Im Unterschied zum Musa Dagh ist dieser karg und von Erosion durchsetzt. Eichenwälder und klare Bäche gibt es nicht mehr, schroffe Kalkformationen bestimmen das Bild.

Die Protagonisten haben gewechselt. Die Kämpfer der IS, viele von ihnen fanatische, pseudoreligiöse Söldner, auch aus Europa und Deutschland, sind die Peiniger. Die Zielgruppe sind in diesem Falle jesidische Kurden, aber auch Christen müssen fliehen. Selbst vor schiitischen Muslimen macht der bewaffnete Mob nicht halt.

Franz Werfel hat seinen Roman um die Familie Bagramian in der Zeit vom Juli 1932 bis März 1933, nach einer Reise durch den Libanon, niedergeschrieben. Die historischen Details hatte er sich aus Akten und Protokollen des Französischen Kriegsministeriums besorgt.

Im Deutschland des Nazireiches wurde er nicht veröffentlicht, weil die Türkei im 1. Weltkrieg Verbündeter war und die Deutschen ob der Verbrechen wussten. Werfel selbst wurde im Entstehungsjahr des Romans aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen.

Am Ende der Belagerung des Musa Daghs und kurz vor der Eroberung, wurden die heldenhaft, gegen einen vielfach überlegenen Feind  kämpfenden Talbewohner, von einer französischen Fregatte gerettet.

Sollte es jetzt den kurdischen Kämpfern mit Unterstützung der USA und Anderer gelingen die Menschen zu retten, wäre das eine humanitäre Tat, hoffentlich ohne politisches Kalkül.

Hartmut Dold

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Ist Sindschar der neue Musa Dagh

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