Opfer und Täter, oder „Fuck the Germans“?

Jetzt regen sich wieder alle auf, weil ein BND-Mitarbeiter vom Verfassungsschutz enttarnt wurde, einem ausländischen Geheimdienst zugearbeitet zu haben. Sogar der entsprechende Ausschuss soll ausgespitzelt worden sein. Die zuständigen Politiker sind zum wiederholten Mal empört. Gleichzeitig wird abgewiegelt. Aber was bedeutet das für uns?

Sind wir auch Opfer?

Offen gesagt, wir wissen es nicht. Da geht es uns nicht anders als unseren Bundespräsidenten, der in seinem Umkreis schon beobachtet haben will, dass einige Bekannte sich in ihrer öffentlichen Kommunikation fast schon an alte Stasi-Zeiten zurück erinnert fühlten. Das hat er mit „jetzt reichts‘ auch mal“ kommentiert.

Soweit wollen wir nicht gehen. Aber es ist schon so, dass wir in dem einen oder anderen Beitrag in diesem Blog, der sich zu außenpolitischen Themen äußert, bewusst Begriffe vermeiden, um nicht in eine Schleppnetzfahndung zu geraten. Zum Spaß haben wir geäußert, ob wir noch in die USA einreisen können, ohne hochnotpeinlichen Fragen ausgesetzt zu werden. 100% sicher können wir uns nicht mehr sein.

In Teilen erinnert das als „Special Relationship“ bezeichnete Verhältnis zwischen den USA und seinen herausgehobenen westlichen Partnern an das klassisches Täter-Opfer Verhalten. Der Täter hat in solchen Beziehungen die praktische Möglichkeit, nicht einmal selbst nach Entschuldigungen suchen zu müssen, diese werden vielmehr vom Opfer selbst erfunden und ihm frei Haus geliefert. Unterwürfigkeit ist Bestandteil der Regeln.

Das Verhalten bundesdeutschen Politiker, erinnert manchmal an eben jenes Verhalten. Jetzt wird z.B. der Spion in seinem Rang zum Mitarbeiter einer Poststelle befördert oder beispielsweise E. Snowden diffamiert oder ihm, unter fadenscheinigen Gründen, die Einreise zu einer Zeugenaussage verweigert.

Ansonsten wird immerfort geprüft und ermittelt und gehofft, dass darüber hinaus die Öffentlichkeit das Interesse verliert. Die Fußball WM ist günstig.

Der übergriffige Partner drückt Bedauern aus und meint eigentliches etwas anderes, was vielleicht so klingt wie: „Fuck the EU“, oder „Fuck the Germans“?

Wenn nicht einmal die Fassade aufrecht erhalten wird, was bleibt dann? Verläuft die Grenzlinie etwa ganz woanders?  Nicht etwa zwischen der Administration der USA und Deutschland, sonder zwischen Regierungen und Volk. Das möchten wir nicht glauben!

Hartmut Dold

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Gleimviertel – Kolumne

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