Der „Exer“ – Geschichte, die Geschichten schrieb!

Es ist heute wenig bekannt, dass die Geschichte von Herta BSC eng mit dem Gleimviertel verbunden ist. Sie ist auch ein gutes Beispiel für Gemeinsames zwischen dem Wedding und Prenzlauer Berg , dass zuerst durch den Bau des Bahndamms der Nordbahn 1877, und fast ein Jahrhundert später, 1961, durch die Errichtung der brutalen „Berliner Mauer“, mehr und mehr verlorenging.

Es waren Berliner Jungs aus der Stralsunderstraße im Wedding, dem alten Arbeiterbezirk aus dem Nord-Osten, die 1892 den Fußsballverein Herta BSC 1892 gründeten.
Ihre erste Spielstätte war der „Exer, das Gelände, dass seit 1825 vom Kaiserlichen Alexanderregiment zum Exerzieren genutz wurde, in den 90-er Jahren des 19.Jahrhunderts aber eine Umwidmung zur Erholungs- und Sportstätte erfuhr. Erst 1904 wurde der Umzug nach Wedding vollzogen.

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Ironischerweise  wurde dieses, ab den 50-er Jahren mehrfach zum Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark umgebaute Areal, in den 80-er Jahren ausgerechnet vom BFC Dynamo, 10-facher Meister der „DDR-Oberliga“, und Vorzeigeclub von Erich Mielke, Chef der Stasi, bei Spielen als Sportstätte genutzt.

Der Verfasser war zugegen, als besagter Fussballclub, trotz überragener Spieler, wie Thomas Doll, Andreas Thom und Rainer Ernst, alles spätere „gesamtdeutsche Nationalspieler“, 1985/86 im Europapokal der Landesmeister gegen Austria Wien von Toni Poster im Alleingang erledigt wurde und 0:2 verlor.

Heute vollzieht sich hier auch nicht immer Rühmliches.

Bekannt sind die Krawalle, wenn hier der heutige BFC Dynamo, mittlerweile in der Oberliga Nordost beheimatet, im Rahmen von Pokalwettbewerben auf  lokale oder nationale Konkurrenz trifft.
Trauriger Höhepunkt war das DFB Pokalspiel im Sommer dieses Jahres zwischen dem BFC und dem 1. FC Kaiserslautern, als BFC-Anhänger, nach dem 0:3 verlorenen Spiel, den Gästeblock stürmten und auf die „gegnerischen Fans“ einprügelten.

Auch über den „Exer“, dem früheren „Platz an der einsamen Pappel“ gab es in der Historie nicht nur Positives zu vermelden. So erschoss sich dort 1897 der Kaufmannslehrling W. aus der Bernauerstraße beim Schiebenschießen aus versehen.

Von den Polizeirevieren eher gemieden, sprach sich die Gegend bei den „Gestrandeten“ und „Neuankömmlingen“, der rasch wachsenden Stadt, schnell herum.
Es ist ein „Dorado für Vogelfänger, Obdachlose, Liebespaare und Selbstmörder“, weiß die „Quelle“, die Ortszeitung seiner Zeit, zu berichten.

Bei einer der nächsten Razzien wurde neben einer Bande von Feldfrüchtedieben auch ein flüchtiger Vereinskassierer aus Breslau gefasst, der mit der Vereinskasse von 300 RM durchgebrannt war.

Zu denken geben muss auch das Schicksal des Schlossermeisters B, der sich am 8.Dezember 1894 auf dem „Exer“ erschoss. Der Mann hatte bei Schwindelbauten ein kleines Vermögen verdient, sich dann aber verspekuliert. „Verluste an Schwindelbauten waren um diese Zeit nicht selten. Mit der Bebauung dieses Viertels trieb die Spekulation Blüten.“*.

Für die Terraingesellschaften war es ein risikoloses Geschäft. Sie verkauften den Handwerksmeistern die Grundstücke, die diese bebauten. Konnten die Häuser nicht gewinnbringend verkauft werden, waren sie pleite.

*Zitiert aus: „Grenzgänger.Wunderheiler.Pflastersteine.Die Geschichte der Gleimstraße in Berlin“, BasisDruck Verlag GmbH, ISBN 3-86163-091-5

Hartmut Dold

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Das Gleimviertel – ein Update 2.0.2
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