Der normale Dämmwahn – Kop 46

Neben dem Betongold gibt es mittlerweile das allgemein wenig beachtete Styropurgold. Auf Grund einschlägiger Gesetze zur energetischen Gebäudesanierung werden an Altbauten viel zu dicke Styropurmatten angebracht. Den Reibach machen die Hersteller und die Sanierer. Die Zeche zahlen die Mieter, wie im Haus Kop 46.

Man braucht kein Fachwissen zu haben, um beurteilen zu können, was hier geschieht. Auf nicht abgetrockneten Flächen und über Putzrissen werden die Styropurelemente angetackt. Ein späterer Schimmellbefall ist vorprogrammiert. Viel schlimmer ist, dass Styropurplatten zu Brandbeschleunigern werden können. Das aus Rohöl gefertigte Polystyrol ist nicht feuerfest, sondern lediglich schwer entflammbar. Ist die Hitze groß genug, fängt es Feuer.

„Dann wirkt Styropor wie ein Brandbeschleuniger, treibt die Flammen in alle Richtungen, lässt Fensterscheiben platzen und das Feuer in weitere Wohnungen laufen“, so Albrecht Broemme, heutiger Präsident des THW und 2005 als Einsatzleiter bei einem solchen Brandt in Berlin-Heinersdorf dabei. Zwei Menschen kamen damals ums Leben. Sein Fazit: „Wüssten die Menschen um das Brandrisiko, würden sie dagegen auf den Straßen protestieren.“ ( „Die Welt“)

Es gibt auch widersprechende Meinungen

Das Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt), die von Bund und Ländern getragene Einrichtung, mit der bauaufsichtlichen und technischen Zulassung von Bauprodukten beauftragt, sieht keinen Handlungsbedarf. Der Gesetzgeber auch nicht.

Vor- und Nachteile der EPS-Dämmung

Für den Einbau als Dämmung im Innen- und Außenbereich weist die EPS-Dämmung gleich mehrere Vorteile auf:

  • Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035-0,045 W/(m K) verfügt der Dämmstoff über ein gutes Wärmedämmvermögen, das Material ist schwer entflammbar (B1) oder normal entflammbar (B2) und erfüllt damit die Anforderungen an den Brandschutz im Hausbau.
  • Die Dämmplatten sind einfach zu verarbeiten, sie können direkt auf die Wand geklebt oder mit Dübeln befestigt werden.
  • EPS-Dämmung behält auch bei Feuchtigkeit die wärmedämmende Wirkung, das Material ist unverrottbar.
  • Im eingebauten Zustand werden keine gesundheitlich schädlichen Stoffe frei, sind die Produkte CO2-geschäumt, hält sich auch die Umweltbelastung im tolerierbaren Bereich.

Den Vorteilen stehen verschiedene Nachteile gegenüber, die sich zum großen Teil auf den Bereich der Gesundheits- und Umweltbelastung beziehen:

  • Der Energiebedarf für die Herstellung von EPS-Dämmung ist sehr hoch, es werden klimaschädliche Stoffe emittiert.
  • Zwar ist der Dämmstoff normal bis schwer entflammbar, kommt es allerdings zum Brand, dann entsteht starker Qualm und es werden giftige Gase frei.
  • Die Rohstoffe für die Herstellung sind fossilen Ursprungs und deshalb nur begrenzt verfügbar.
  • EPS-Dämmung ist nicht UV-beständig, die Oberfläche vergilbt und versprödet bei länger andauernder Sonneneinstrahlung.
  • Im Vergleich zu anderen Dämmstoffen ist das Material diffusionsdicht, dies kann die Schimmelbildung in Innenräumen fördern.
  • Durch Schrumpfung der Platten können Fugen entstehen, die die Dämmwirkung beeinträchtigen.

In Österreich hat das Österreichische Institut für Bautechnik aufgefordert, dafür zu sorgen, dass Polystyrolplatten kaum mehr als Dämmstoff eingesetzt werden.

Die Ökobilanz ist auch nicht so prickelnd. Styropor muss aus Öl produziert und am Ende des Lebenszyklus entsorgt, also verbrannt werden. Was spricht also für Styropur? Der Preis und den bezahlen letztendlich die Mieter- so oder so.

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Siehe auch: Hier

Hartmut Dold

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Styropurgold

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