Fire Phone – Wer braucht das

Am Mittwochabend hat Amazon-Chef Bezos in Seattle ein neues Mobiltelefon vorgestellt, das zwar technisch nicht viel Neues bietet, aber ganz ungewöhnliche Dinge ermöglichen soll. Unter anderem bietet es eine neuartige 3D-Funktion und Firefly, eine Art Scanfunktion für die physische Welt. Obgleich das kein Mensch wirklich braucht, befürchten wir Schlimmes.

Beispielsweise die neuartige Steuerung über die 3D-Funktion. Vier in die Gehäusefront integrierte Infrarotkameras sollen mittels Kopfbewegungen das Smartphone steuern ohne das Tasten bewegt werden müssen. Wir stellen uns das so vor. Wir begegnen einen Straßenpassanten, der nickt uns zu. Wir grüßen freundlich zurück, fragen uns aber ob wir Ihn oder Sie kennen. Natürlich nicht. Die Nickbewegung gilt ja nur dem Phone. Also wenn der eine oder andere Mitbürger unnatürlich den Kopf zur Seite nach vorn oder hinten legt, das ist kein Epileptiker sondern nur ein Mensch, der mit seinem Fire Phone kommuniziert.

Gut, das gehört in den Bereich der Satire. Weniger lustig ist die Funktionsweise von Firefly. Die scannt in Sekundenbruchteile Objekte, auf die das Handy gerichtet ist. Anschließend gibt es passende Angebote aus dem Amazon-Shop. Das funktioniert mit dem TV, mit Musik und Gegenständen des täglichen Lebens. Wie funktioniert das eigentlich, wenn Männer ihr Handy auf Frauen richten? Kommt dann ein Angebot von Elitepartner.de oder aus einer nationalen Amazon Partner-Agentur?

Aus der Waffentechnologie wissen wir. Alles was technisch möglich ist wird irgendwann gemacht. Die Mikroelektronik ist schon längst eine Waffe. Sie wird, neben ihrem zivilisatorischen Effekt, zunehmend zur Totalüberwachung und Entmündigung der Bürger benutzt. Und zu ihrer Reduzierung auf Kauf-Objekte und Subjekte.

Bisher stimmt uns froh, dass das Fire Phone bisher nur in den USA angeboten wird. Vielleicht hat man bis zu seinem Auftritt auf dem deutschen Markt weiterführende Informationen und die Befürchtungen entpuppen sich als harmlos. Letztendlich bestimmen die Menschen selbst was sie brauchen.

Hartmut Dold

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Gleimviertel – Technik

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