Folienkinder

Im folienverpackten Haus Kopenhagener 46 im Gleimviertel leben auch 16 Kinder. Am Dienstag den 17. Juni werden es 100 Tage ohne Sicht sein. Die kleineren unter ihnen können noch nicht verstehen, warum ihre Eltern und sie derartig bestraft werden. Wir auch nicht. Aber das scheint keinen wirklich zu interessieren. Besonders nicht die Behörden und die Justiz.

In Südspanien dienen derartige Folien, in allerdings leichterer Bauweise, der Aufzucht von Tomaten. Die gedeihen unter der andalusischen Sonne und Gewächshaustemperaturen besonders gut. Ähnliche Temperaturen um 35 Grad hatten wir vorige Woche auch in Berlin. Aber hier sollen ja keine Tomaten heranwachsen sondern fröhliche Kinder. Die leben aber in Angst und Schrecken. Auch kleine Kinder bekommen mit, wenn ihre Eltern Sorgen haben.

Aber es geht um mehr als bloßes Wohlempfinden. Werden hier nicht fundamentale Menschenrechte verletzt, Brandschutzbestimmungen ausgehebelt und der Einbruchskriminalität Vorschub geleistet? Muss erst was passieren bevor eine Behörde aufmerksam wird?

Napoleon hatte nach der Rückkehr von seiner Verbannungsinsel Elba nur 100 Tage bevor er die Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 verlor und am 22. Juni endgültig abdanken musste. Auch Politikern, die neu ins Amt kommen, wird diese Frist gern zugebilligt.

Wie lange wird den Bewohner des Hauses in der Kopenhagner Straße die Verpackung in Winterstraßenfolie noch zugemutet? Gibt es dafür im Deutschland der Vorschriften keine Regelungen. Hat ein Hausbesitzer Rechte wie ein Feudalherr im Mittelalter?

weitere Informationen und Fotos unter: http://www.pankower-allgemeine-zeitung.de/2014/06/13/baufolien-kz-in-prenzlauer-berg/

Hartmut Dold

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Sommer hinter Winterfolie

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