Aus Anlass der Wahlen in der Ukraine am 25. Mai 2014

Heute, vor über 433 Jahren, am 24. Mai 1571, brannte Moskau. Die Krimtataren unter Devlet I Giray hatten es erobert, ausgeplündert und angezündet. Es war nicht das letzte Mal, dass Moskau brannte, aber ein Jahr später waren die Tataren besiegt und Ivan IV (der Schreckliche) machte sich daran, die Reste der Goldenen Horde zu unterwerfen und die Khanate von Kasan und Astrachan endgültig zu besiegen.

Durch seine „Schreckensherrschaft“, auch mit Mitteln des Terrors der Opritschnina, hatte er die Macht der lokalen Fürsten, der Bojaren, gebrochen und einen Dienstadel etabliert, der die Gundlage für einen Zentralstaat schuf. Das Moskauer Rus entstand auf den Trümmern des Kiewer Rus, das 500 Jahre früher die Slawen einte und eine starke, wenn auch brüchige Zentralmacht etablierte.

Bereits im 10. Jahrhundert konnte Fürst Oleg von Kiew nach einem erfolgreichen Feldzug gegen Konstantinopel 907 dem Byzantinischen Reich einen Diktatfrieden aufzwingen, der vor allem Handelsprivilegien beinhaltete. Durch die Zerstörung des Chasarenreiches und des bulgarischen Zarenreiches brachte sein Nachfolger Swatoslaw große Teile des Balkan unter seine Kontrolle.

Im Jahr 988 trat Großfürst Wladimir zum christlichen orthodoxen Glauben über und lies seine Untertanen massenhaft taufen. So entstand das erste östliche Großreich in seiner Verschmelzung slawischer und skandinavischer Kultur (Waräger) mit dem orthodoxen Glauben. Die Ukraine, Russland und Weißrussland gingen daraus hervor.

Das Kiewer Rus war selbst in seiner Blütezeit kein einheitlicher Staat, sondern in verschiedene Fürstentümer zersplittert, die jeweils den Großfürsten wählten. Eine Erbfolgeregel gab es nicht. Interessenkonflikte waren somit vorprogrammiert und wurden von ausländischen Mächten, vor allem aus dem Westen geschürt.

Der Zerfall begann mit der zunehmenden Unabhängigkeit der Teilfürstentümer. Fürst Wladimir von Susdal konnte 1169 Kiew an sich reißen und die Großfürstenwürde beanspruchen. Damit verlagerte sich das Machtzentrum nach Nordosten.

1223 fielen die Mongolen unter dem Enkel Dchingis Khans, Batu Khan, ein und errichteten das Großreich der Goldenen Horde. Sie zerstörten die bisherigen Strukturen oder machten die Fürstentümer des Ostens tributpflichtig und zu Vasallen. So konnte der russische Nationalheilige Alexander Newski die Schweden an der Newa ( 1240)  und die deutschen Ordensritter auf dem Peipussee (1242) nur stoppen, weil er von den Mongolen freie Hand hatte.

Morgen, Sonntag, den 25. Mai 2014, wählen die Ukrainer ihr neues Parlament. Vieles wird davon abhängen, ob es ihnen gelingt, ihren Staat als Ganzes zu erhalten. Man konnte in den letzen Wochen schon den Eindruck haben, als ob der Staat in Teilfürstentümer zerfällt, wie in der Geschichte, und unter den Oligarchen mit ihren Privatarmeen aufgeteilt würde. Nicht nur zwischen West- und Ostukraine, wie uns weisgemacht wird.

Die Volksbewegung auf dem Maidan gegen Oligarchie und Kleptokratie ist verraten worden. Das Volk wird mit nationalistischen Parolen mißbraucht. Schlägt jetzt die Stunde der Raubritter?

P.S. Im Mai/Juni 1974 war ich in einem 6-wöchigen Praktikum in Odessa. Dort hatte ich u.A. Gelegenheit, die Schokoladenfabrik Nr.1 zu besichtigen. Die Produkte kamen mir damals schon lecker vor. Jetzt gehört sie zum Imperium des „Schokoladenkönigs“ Poroschenko, dem neu gewählten Präsidenten der Ukraine.

Hartmut Dold

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Gleimviertel – Geschichte: Moskau brennt