Der Bankenflüsterer?

10 Tage haben wir gebraucht, um die Rede des Bundespräsidenten vor dem 20. Deutschen Bankentag zu analysieren, was eigentlich nicht unsere Aufgabe ist. Insgesamt kam diese analytische und ausgewogene Rede des einerseits und andererseits bei einigen Medien zu kritisch weg. Denn, wie richtig gesagt wurde geht es um Geld und da hören ja bekanntlich…

Wir wissen nicht, warum einige Berichterstatter den Bundespräsidenten dafür kritisieren, dass er im Unterschied zu seinen Vorgängern die Banker nicht harscher in die Kritik genommen hat. Es ist doch jetzt alles wieder gut. Die Banken haben ihre Lektion gelernt und ihr Eigenkapital massiv erhöht, die Boni beschnitten und ihre Eigenwerbung verbessert. O.K. Es gab ein wenig „fehlgeleitete Kreativität“ und einige müssen sich noch mit Steuerprüfungen und Gerichtsverfahren auseinandersetzen. Aber das wird schon.

Auf der anderen Seite steht der eine oder andere gierige Bürger, der, weil er sich nicht besser informiert hat, zu Recht irgendwelchen Finanzderivaten aufgesessen war. Das ist der Preis der Freiheit und Demokratie.

Völlig erschrocken waren wir über einen Beitrag in der Heute-Show, wo der Bundespräsident mit einer Aussage von H.Ford zitiert wurde, der gesagt haben soll: „Es ist gut, dass die Menschen das Bank- und Geldsystem nicht verstehen, sonst hätten wir eine Revolution noch morgen früh.“

Dem widerspricht Gauck vehement in einem Punkt: „Es ist ganz und gar nicht gut, wenn Bürger einen wichtigen Wirtschaftssektor nicht hinreichend verstehen oder verstehen können. Es ist nicht gut, wenn es vielen schwerfallen muss, Sachverhalte zu durchdringen, weil ganze Teilbereiche der Gesellschaft auf kaum durchschaubare Art miteinander verflochten sind. Selbst Experten haben nach eigenem Bekunden oft nicht nachvollziehen können, was auf den Finanzmärkten tatsächlich vor sich ging.“

Ja, dumm gelaufen. Es kommt eben immer auf die richtigen Erklärungen an und nicht ums Geld, oder?

Eine Lanze für die Ökonomen

Deshalb stimmen wir dem Präsidenten vollinhaltlich zu: „Banken …  haben eine Bringschuld. Aber der Bürger, hat durchaus auch eine Holschuld. Wer die Quellen unseres Wohlstands verstehen, wer persönliche Chancen nutzen und Risiken einschätzen will, der muss sich informieren und in Finanzfragen kompetenter werden. Er darf sich nicht auf den Standpunkt zurückziehen, dass man über Geld nicht spricht.

Zum informierten Bürger gehört doch eigentlich eine ökonomische Grundbildung. Studien belegen, dass viele Deutsche hier Nachholbedarf haben … Hat das Wissen über ökonomische Zusammenhänge den gleichen Rang, den die Ökonomie heute für unser Leben und Wirtschaften hat?“

Wir sind stolz auf unseren Bundespräsidenten und seiner Fachkenntnis. Das geht uns runter wie Öl. Endlich mal einer, der die Zusammenhänge zwischen Politik und Ökonomie, zwischen Hochfinanz und dem gemeinen Bürger durchschaut und unseren Berufszweig und unsere Ausbildung würdigt.

Gern möchten wir in diesem Zusammenhang auch auf Emile Zolas Roman „Geld“ verweisen. Es ist ja nicht alles so neu, wie es erscheint. Die persönlichen und familiären Tragödien einbegriffen.

Rede des Bundespräsidenten auf dem Bankentag

Dr.phil Dipl.oec. Hartmut Dold

Please follow and like us:
Reden wir über Geld

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.