War Jesus auch nur ein Mensch?

…Und eventuell ein verheirateter Mann. Das wollen jetzt US-Wissenschaftler aus einem Papyrus-Fragment ableiten, das Historikern der Harvard-Universität vorliegt. Aus dem als „Evangelium der Frau Jesu“ benannten Schriftstück geht hervor, dass Jesus offenbar mit einer Frau zusammengelebt hat. Darüber wurden ganze Bücher verfasst. Die meisten unseriös aber spannend. Der Name der Frau ist ja allgemein bekannt. Er heißt Maria Magdalena.

In dem besagten vier mal acht Zentimeter großen Papyrus in koptischer Sprache heißt es dazu: „Jesus sagte ihnen: “Meine Frau … und sie wird in der Lage sein, meine Jüngerin zu sein“.

Lange wurde die Echtheit des Schriftstücks angezweifelt, nun hat der Historiker an der Harvard Universität Karen L. King, die Originalität bestätigt.: „Viele wissenschaftliche Indikatoren sprechen dafür, dass das Fragment zwischen dem sechsten und neunten Jahrhundert nach Christus verfasst wurde.“ Wissenschaftler hätten demnach das Schreibblatt, die Tinte, die Handschrift und die Grammatik analysiert.

Mittels der Radiokarbon-Methode konnte die Entstehung des Textes auf einen Zeitraum zwischen 659 und 859 n. Chr. Datiert werden. Das liegt allerdings einige hundert Jahre nach den Evangelien des Markus, Lukas, Matthäus und Johannes.

Der Papyrus gehört offensichtlich zu den Fragmenten, die vor einem Jahrzehnt in Unterägypten von Bauern in Tonkrügen gefunden wurden. Bei all diesen Dokumenten spricht man von Apokryphen, weil sie nicht in den Kanon der katholischen Kirche aufgenommen und zugelassen wurden.

Die Wissenschaftler sind deshalb vorsichtig mit ihrer Einschätzung. Sie gehen aber davon aus, dass es schon zu frühchristlicher Zeit Diskussionen und Kontroversen über den Familienstatus von Jesus und über Ehe, Familie und Zölibat gegeben hat.

Es ist ja allgemein bekannt, dass die katholische Kirche alles, was Zweifel an der Stellung Jesus als Gottes Sohn kanonisiert hat. Das musste zwangsläufig in einer Abwertung der Rolle der Frau münden. Das Fernhalten des Priesteramtes von den Frauen ist ja Ausdruck dessen.

Lange Zeit unterschied sich die Haltung der Papstkirche zu den Frauenrechten nicht von der der muslimischen Religion. Die Durchsetzung des Wahlrechtes für Frauen und ihre Gleichberechtigung ist der Aufklärung und dem politischen Willen von Demokratien zu verdanken.

Hartmut Dold

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