Skurriler Artikel sorgt für Unmut

„Es gibt schlechte Nachrichten für alle, die schon immer dagegen waren, an der Greifswalder Straße von Ernst-Thälmann und seiner Faust begrüßt zu werden“. So kann man seine Abneigung oder sein Unverständnis zur DDR-Geschichte auch ausdrücken. Was stört ist offensichtlich: Der unlängst vom Senat verkündete Denkmalstatus für das Einzeldenkmal mit der Faust aber noch mehr den für das Wohngebiet Thälmannpark.

Dazu muss man wissen dass die Schreiberin o.g. Zeilen bisher durchaus für witzige und textsichere Beiträge aufgefallen war. Aber sie schreibt offensichtlich immer mehr für ein von Immobilienunternehmen gesponsertes Blatt. Mangelhafte geschichtliche Kenntnisse können wir ob ihrer Jugend und ihrer Sozialisation verzeihen. Spalterei, fehlende Empathie und die Bedienung spezieller Interessen jedoch nicht. Es ist ja bekannt, dass Immobilienunternehmer auf dem Gebiet des Thälmannparks wirtschaftliche Interessen verfolgen. Dass jetzt auch noch subtil mediale Ost-West Schemata bedient werden entsetzt.

„Das Denkmal steht jetzt nicht nur doppelt unter Schutz – einmal als Einzelstück, einmal als Teil des Gesamtdenkmals Ernst-Thälmann-Park. Es könnte auch demnächst wieder genau so aussehen wie noch 1990.“

Igitt!!! Die DDR steht wieder auf – als Zoo? Vielleicht sollen auch die beiden Bronzestelen wieder angebracht werden, die 1993 entfernt wurden. Unvorstellbar!
Da dürfen die bekannten Behauptungen, Thälmann hätte wegen seiner stalinisten Position mit der NSDAP paktiert, natürlich nicht fehlen.

Gewiss kann man das Denkmal von Lew Kerbel hässlich finden. Aber es geht nicht um eine ästhetische sondern um eine historische Bewertung. Aber wahrscheinlich werfen wir hier als Oberkonservator der Denkmalpflege unsere Perlen vor die Säue. Deshalb haben wir für die Replik: „1993 beschlossen die Bezirkspolitiker daher sogar den Abriss des Bronzekolosses des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel“ nur Mitleid.

Ganz entsetzt ist die Schreiberin davon, dass durch den „doppelten Denkmalschutz“ auch der Vorplatz des Denkmals betroffen sein könnte. Sie befürchtet womöglich Aufmärsche soldatischer Formationen, Grußapelle oder Ähnliches. Auch hat sie Angst vor Vandalismus.

Jetzt muss auch endlich mal das Thema Bodenverseuchung angesprochen werden. Darüber scheint man sich im Berliner Landesdenkmalamt nicht wirklich viele Sorgen gemacht zu haben, will die Autorin wissen, bevor man den Park unter Denkmalschutz stellte. „Denn auch der Umgang mit den Altlasten ist noch völlig unklar. Als der Thälmann-Park in der 1980er Jahren gebaut wurde, musste dafür ein altes Gaswerk abgerissen werden. Das wurde jedoch nicht fachgemäß gemacht, sodass man bis heute mit verseuchten Grundwasser zu kämpfen hat.“

Das mag richtig sein, aber der Thälmannpark ist nicht Bitterfeld und wir haben uns auch schon vor der Autorin um die Umwelt gesorgt und das war nicht so einfach wie heute, sondern von der Staatsgewalt verfolgt.

siehe auch: Kommentar zur Kommentierung

Hartmut Dold

Please follow and like us:
West gegen Ost – immer noch ein Thema?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.