Grimme-Preis für Katrin Rothe

Am 04.04.2014 werden in dem idyllischen Städtchen Marl die diesjährigen Grimme-Preise verliehen. Unter den Preisträgern ist Kathrin Rothe, die in der Sparte Information & Kultur für ihren Beitrag Betongold geehrt wird. Ihr 52-Minuten Dokumentarfilm entstand in Koproduktion zwischen ARTE und rbb. Letzterer zeigt den Beitrag am 08.04. um 22:45 Uhr. Er kann aber schon jetzt in der Mediathek des Senders abgerufen werden.

In der Produktion geht es um die Vertreibung von Mietern aus ihren Wohnungen und um die Mittel und Methoden, die dabei verwandt werden. Katrin Rothe hat die an Hand ihrer eigenen Geschichte dokumentiert und filmisch in Szene gesetzt. Dabei arbeitet sie, wie in anderen Produktionen zuvor, mit Mitteln des Trickfilms und mit Cartoons. Die Eigenbeteiligung am Geschehen ist normalerweise ein Todesurteil für Dokumentationen. Nicht so hier. Kathrin Rothe zeigt in Betongold wie sich Betroffenheit in positive Energie umlenken lässt.

Was tun?

Diese ganz praktische Frage nach einer angekündigten Mieterhöhung um über 100 % ist der Ausgangspunkt ihrer Reportage. Sie schildert, wie sich die Mieter des Hauses beraten lassen, wie sie eine Front gegen den neuen Besitzer bilden und wie nach und nach die meisten doch zermürbt aufgeben und ausziehen. Sie selbst zum Schluss auch.

In der Begründung der Jury heißt es:

„Betongold“ ist nicht nur eine sehr persönliche Reportage, die von den Folgen der Immobilienspekulation für den einzelnen erzählt – monatelanger Schriftverkehr über Anwälte, Baulärm, Dreck, Psychoterror, Existenzsorgen, Schlaflosigkeit -, der Film ist auch ein Servicestück für Mieter, die von den Methoden des sogenannten Mietmanagements betroffen sind – so nennt man das Rausschmeißen von Mietern neuerdings. Katrin Rothe nimmt den Kampf mit den übermächtigen Spekulanten mit sehr viel Witz und Hartnäckigkeit auf.

Da sie entscheidende Szenen wie die Gespräche mit dem Besitzer, die Wohnungsbesichtigungen der neuen Kauf-Interessenten oder die Güteverhandlungen vor Gericht nicht filmen konnte, erzählt sie diese – wie in ihren früheren Filmen – in sehr gut eingesetzten und realisierten Zeichentrickszenen. So blieben die Investoren zwar anonym, erhalten aber doch ein Gesicht.“ Ein weiterer Vorteil: Die Verhinderung der Ausstrahlung über ARTE und den rbb per gerichtlicher Verfügung konnte verhindert werden. Auch bei youtube ist er zu sehen.

„Die Autorin bleibt aber nicht bei ihrem Fall stehen, sie weitet den Blick auf die Mieterdemonstrationen in Berlin und anderswo und erzählt so von einem der dringlichsten gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit: Wie wollen wir leben, wenn die Mieten in den großen Städten so teuer werden, dass Normalverdiener sie sich nicht mehr leisten können? „Ich muss die Welt retten. Ich muss die Zukunft retten“, sagt die Autorin selbstironisch. Ihr Film macht nicht nur wütend, sondern er macht auch anderen Mut, sich gegen die Hydra der Immobilienspekulation zu wehren. Das ist Betroffenheitsjournalismus im besten Sinne.“

Für Kathrin Rothe ist es bereits der zweite Grimme-Preis. Den ersten erhielt sie 2007 für ihre Arbeit Stellmichein in der gleichen Kategorie. Es gibt auch zahlreiche andere Auszeichnungen. Gratulation!

Als die Mieter in der Kopenhagener Straße 46 im vergangenen Jahr ihre Briefe zur Luxussanierung erhielten, in denen von Mietsteigerungen von über 300% die Rede war, wurde gerade Betongold im rbb ausgestrahlt. Einige Mieter haben mir von schlaflosen Nächten berichtet. Seit dem sie über das Umfeld der Briefschreiber wissen, hat sich das nicht unbedingt verbessert.

Wer, wie Katrin Rothe bis zum Schluss um seine Wohnung gekämpft hat, muss wissen, der Abschluss eines Vergleiches bedeutet auch die Löschung der Webseite. In diesem Fall die mit der Domain Bergstraße 62. Das weiß man erst, wenn man sich den Film bis zu Ende angeschaut hat. Dem Verlust der Wohnung folgt noch eine Demütigung.

Hartmut Dold

Please follow and like us:
„Betongold“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.