Ein rein fiktiver Beitrag oder eine Parabel?

Bei uns im Gleimviertel gibt es den Mauerpark. Dort steht ein imposantes Klettergerüst und gleich daneben gibt es einen großen Sandkasten. Unlängst, auf unserer Fahrrad-Tour durch den Mauerpark, sind wir kurz abgestiegen und haben uns das Treiben angeschaut. Dabei ist uns folgendes aufgefallen…

Die meisten Kinder spielten im westlichen Bereich des Sandkasten. Dort war der Sand besser, feinkörniger und heller. Er sah so aus als wäre er vor nicht allzu langer Zeit ausgetauscht worden.

Am östlichen Rand mit vergleichsweise viel Platz spielte ein Junge allein. Er wirkte nicht fröhlich, eher traurig oder trotzig. Mehrfach war er zu den anderen Kindern hinübergegangen und wollte sich an ihren Spielen beteiligen. Doch die hatten ihm gesagt: „Du kennst ja nicht mal die Spielregeln und riechst streng„.

Das hat den Jungen sehr verletzt, denn seine Eltern achten auf Hygiene. Er hat einen letzten Versuch gestartet, um Aufmerksamkeit und Anerkennung zu gewinnen und die Spielkameraden zu seinen Spielen in der südöstlichen Ecke des Sandkastens eingeladen. Selbstverständlich hat er alles finanziert. Viele Kinder waren gekommen, ihre Eltern leider nicht und auch nicht die Spielmacher.

Danach haben die Kinder des Westens ein neues Spiel erfunden. Es heißt Sand verschieben. Eigentlich hatten sie es schon früher gespielt. Zu erst wurde der hellere Sand in der Mitte des Sandkastens  nach Osten verschoben, dann der im Nordosten und schließlich der im Südosten. Ihre Eltern hatten ihnen dazu neue Spielzeuge geliefert.

Eine Sandverwehung jenseits des dunklen Meeres hat der Junge weggewischt, er ist ja nicht dumm und kennt jedenfalls seine Spielregeln.

Inzwischen ist ein Wind entfacht worden, der den hellen Sand des Sandkastens weiter in Richtung Osten getrieben hat. Das hat dem Jungen gar nicht gefallen und er hat trotzig mit seinem Fuß aufgestampft! Der Fußabdruck, der jetzt immer deutlicher Umrisse annimmt, heißt Krim.

Das hat die Eltern und die Spielmacher sehr erregt. Einige wollen neue Spielzeuge schicken, andere haben Angst und weitere fühlen sich in ihren Interessen betroffen. Hoffentlich blickt da noch einer durch. Man ahnt ja gar nicht, was in einem Sandkasten alles entstehen kann.

Hartmut Dold

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Sandkastenspiele

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