Verdrängung und Bedrängnis

Nach seiner brutalen Vertreibung durch Bagger, kreischende Kettensägen und Schuttfahrzeuge haben wir den Mauerparkfuchs dieses Wochenende wiedergetroffen. Er ist, unserem Rat folgend, in den südlich des Gleimtunnels gelegenen Bereich umgezogen. Seinem Äußeren nach geht es ihm nicht wirklich gut. Er ist etwas abgemagert, hat ein struppiges Fell und wirkt orientierungslos. Kein Wunder!

Manchmal streift er über die zugewachsene Betondecke des Gleimtunnels auf der Suche nach Nahrung, dann ist er wieder bei den Bäumen zu sehen, die Politiker und Mitglieder der Bürgerbewegung einst gepflanzt hatten, um ein Signal gegen die Mauerparkbebauung zu setzen. Wirklichen Schutz bieten die Gysi-Eiche, der Kirchner-Strauch und der Funken-Baum nicht. Allerdings gibt es da noch eine mit Efeu bewachsene alte Zaunfläche. Die Frage ist, wie lange noch?

Das Nahrungsangebot ist knapp geworden. Die Karnickel sind weg und die Feldmäuse halten Winterschlaf. Weil es so warm ist, lässt sich wenigstens ab und zu mal eine blicken. In dieser Jahreszeit gibt es auch keine wilden Camper, die ihm Nahrungsreste hinterlassen könnten. Wir haben Durchhalteparolen vergeben und ihn damit getröstet, dass in wenigen Monaten die Grillsaison los geht. Dann gibt es wieder Nahrung im Überfluss.

Allerdings mussten wir ihn dazu in die Tücken der Kommunalpolitik einweihen. Die Grünen seien bezirksübergreifend für ein Pankower Mauerparkmanagement und damit für die Griller. Aber was ist, wenn Mitte den Zuschlag erhält und Carsten Spallek als Anführer einer Großen Koalition von CDU/SPD das Sagen hat? Der Senat ist auch noch nicht aus dem Rennen.

Wir haben den Fuchs ermahnt, sich nicht hängen zu lassen und an seinem Aussehen zu arbeiten. Das Projekt Elitefuchs.de und seine Umsiedlung auf das Tempelhofer Feld haben wir noch nicht aufgegeben. Für die Partnersuche wären ein akademischer Abschluss und Fremdsprachenkenntnisse förderlich.

Mal sehen ob wir einen entsprechenden EU-Fördertopf anzapfen können, aber das wird schwer. Es müssen immer mehr Politiker höher bezahlt werden, die Landwirtschaft weiter subventioniert und militärische Projekte vorangebracht werden.

Eigentlich kann man für den Fuchs nur hoffen, dass seine letzten Verstecke unentdeckt und unberührt bleiben. Sollten Ende des Jahres die Baufahrzeuge über den Gleimtunnel rollen und die Erweiterungsfläche im Frühjahr umgestaltet werden, sehen wir schwarz für ihn. Aber noch ist es nicht so weit.

Hartmut Dold

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Neues vom Mauerparkfuchs

Ein Gedanke zu „Neues vom Mauerparkfuchs

  • 23. März 2014 um 09:15
    Permalink

    Gestern stand unsere Füchsin kopfschütteln am Zaun in unserem Hof in der graunstrasse.Sie findet es ja einerseits gut das jetzt freihe fläche zum rennen ist.Aber doof das der Wachschutz neuerdings da steht.Clever wie der fuchs ist,der Wachschutz merkte nicht das er durch flitzte.

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