Eine Fabel

Als das Leben immer schwerer wurde und die Nahrung immer knapper, beschloss der Fuchs sich ein neues Revier zu suchen. Immer seiner Nase folgend und nachts unterwegs, die großen Straßen mit ihrem Autolärm meidend, gelangte er schließlich in den Mauerpark. Das ist nun einige Jahre her. Er hatte ein gutes Leben…

Kleingetier gab es genug, Verstecke en masse und auch die Abfälle, die osteuropäische, wohnungslose Arbeitslose um ihre provisorischen Camps herum hinterließen, bereicherten sein Nahrungsangebot. Eigentlich war es eine gute Zeit. Mitten in der Großstadt und doch in der Natur. Genug zu fressen und ein behagliches zu Hause.

Manchmal bewegte er sich am Metallzaun, der Grenze, die sein Revier von der Pankower Seite trennte, entlang. Dort sah er dann die spielenden Kinder mit ihren Vätern und Müttern am Kletterfelsen, auf dem Kinderspielplatz und auf dem Kinderbauernhof. Da floss ihm auch schon mal eine Träne aus seinen Fuchsaugen. „Ach wäre es schön, wenn ich doch eine Füchsin bei mir hätte und kleine Füchslein würden mit mir spielen“, dachte er und seufste schwer.

So verging der Winter, der eher ein Herbst oder Frühling war. Das Leben war leicht und unbeschwert und sein Fell glänzte fuchsrot – bis die Bagger kamen! Schon in der ersten Woche des Februars, zerstörten sie zuerst seinen Bau, rupften Gesträuch und Gehölz aus und vertrieben dann seine Nahrungsquellen.

Da wurde der Fuchs fuchsteufelswild. Er wandte sich an den Bürgerverein Gleimviertel e.V. und bat um Unterstützung. Wir haben ihm erst mal empfohlen, in den neuen Bereich des Mauerparks südlich des Gleimtunnels umzusiedeln. Aber das ist nur eine temporäre Lösung, eine Art Umsetzwohnung –  wie für von Sanierung betroffene Mieter eben.

Er will noch das Volksbegehren um das Tempelhofer Feld abwarten, um dann eventuell dorthin umzusiedeln. Aber der Weg ist lang und voller Gefahren. Damit er nicht ganz so traurig ist, haben wir ihm angeboten, bei der Partneragentur Elitefuchs.de mal nachzufragen. Die haben uns aber gesagt: Solange die wirtschaftlichen Grundlagen nicht stimmen, können sie kein Vermittlungsprofil erstellen.

Schlau wie der Fuchs ist, hat er uns einen Vorschlag gemacht. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass verschiedene Gutachten zur Flora und Fauna des Mauerparks in Auftrag gegeben wurden. So wurde beispielsweise ein faunistisches Gutachten über die Brutvögel im Mauerpark erstellt. Weitere, wie z.b. zur Stechimmenfauna sollen folgen.

Was den Mücken recht ist, kann dem Fuchs nur billig sein. Er fordert jetzt den Schutz der Fuchspopulationen in den grünen Stadtgebieten Berlins. Als Rotfuchs der Gattung vulpes, und der Art vulpes fühlt er sich schützenswert, weil er ja immerhin der zunehmenden Kaninchenpopulation im Berliner Stadtgebiet Einhalt gebietet und somit eine wichtige ökologische Funktion erfüllt.

Wenn das nichts hilft, will er sich bei der Auslegung der Mauerparkbebauungspläne im Frühjahr durch Einsprüche bemerkbar machen und auf seine Rechte pochen. Er hat ja auch viel zu verlieren und deshalb lässt er sich inzwischen juristisch beraten.

Hartmut Dold

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Der Fuchs vom Mauerpark

2 Gedanken zu „Der Fuchs vom Mauerpark

  • 15. Februar 2014 um 23:06
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    Das ist ja toll Marion. Bisher war es ja nur eine Ahnung von mir und als Parabel gedacht

  • 15. Februar 2014 um 16:47
    Permalink

    Ja unser Fuchspärchen kenn wir seit Kaufland gebaut wurde.sie gehen sehr oft in unseren hof direkt am Schroothof abends spazieren.Die kleinen Füchse spielten früh immer im Sandkasten.Hoffentlich bleibt uns unser fuchs erhalten.

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