Liegen wir bald an der Ostsee?

Gut, dass wir in der Schule aufgepasst haben So ist uns der Begriff Holozän als derzeit aktuellste Periode der Erdgeschichte nicht fremd. Das Holozän ist eiszeitlich geprägt. Erst vor ca. 9000 Jahren erwachte die nördliche Hemisphäre aus dem Winterschlaf. Am höchsten waren die Temperaturen im Boreal, vor 6000 bis 7000 Jahren. In dieser Zeit entstand die Ostsee. Jetzt droht ein Hyperboreal ähnlich dem Pliozän vor 2,6.Mio. Jahren. Damit ist die Eiszeit zu Ende. Die Folgen werden dramatisch sein.

An der Ostsee?

Mit Berlin an der Ostsee wird es so schnell nichts werden. Dazu sind die Gletscher in den Alpen und Norwegen inzwischen zu klein. Der Abfluss erfolgt hauptsächlich ins Mittelmeer (Alpen) oder wie in Skandinavien in die Fjorde des Nordpolarmeers, ein wenig über schwedische Flüsse in die Ostsee. Allerdings ist das Wasservolumen dieses Randmeers auf Grund seiner geringen Tiefe nicht hoch, so dass ein signifikanter Anstieg kaum zu erwarten ist. Das viel gravierende Schmelzen des Grönland-Eisschilds wird vor allem die Anrainerstaaten des Nordatlantiks betreffen, also auch die Deutsche Bucht und mit ihr die Städte Bremen und Hamburg. Die liegen aber an der Nordsee.

Boreal und Ostsee

Kommen wir zurück zur borealen Periode. Die Temperaturen entsprachen in etwa den heutigen. Allerdings war die territoriale Verteilung höchst unterschiedlich. In Grönland war es viel wärmer als heute. In Bohrkernen wurden mediterrane Ablagerungen gefunden.

Die Ostsee entstand am Ende der letzten Eiszeit, der Weichsel-Kaltzeit, vor etwa 12.000 Jahren nach dem Abschmelzen der riesigen Gletschermassen. Ihre heutige Gestalt und Eigenart bildete sich über mehrere Etappen durch ein Zusammenspiel von Landhebung und Meeresspiegelanstieg.

Etwa 10.000 bis 8.200 v.Chr. tauten infolge des damaligen Klimaumschwunges die Gletscher in Richtung Skandinavien zurück. Als sich der Eisrand nach Abschmelzen der Inlandseismassen nordöstlich von Stockholm, befand, bildete sich in seinem Vorland der Baltische Eisstausee.

Etwa 8.200 bis 6900 v.Chr. stieg der Meeresspiegel so stark, dass sich zumindest im Bereich der heutigen mittelschwedischen Seenplatte, nach anderen Quellen auch zum Weißen Meer, eine Verbindung zum Nordmeer bildete. Durch den dadurch bedingten Süßwasserausstrom und Salzwassereinstrom bildete sich das sogenannte (salzige) Yoldiameer.

Von etwa 6900 bis 5000 v.Chr. tauten die skandinavischen Gletscher weiter zurück. Der Druck auf die skandinavische Landmasse nahm ab, so dass sie sich zu heben begann und dadurch die Meeresverbindungen blockierte. Es entstand der(süße) Ancylussee.

Etwa 5000 v.Chr. bis zur Jahrtausendwende stieg der Meeresspiegel durch die sogenannte Littorina-Transgression so, dass die Festlandbrücke zwischen Südschweden und Dänemark überflutet wurde und der Osten Dänemarks sich in die heutigen Inseln aufteilte. Weiter südlich öffnete sich der Zugang in der Nähe der Darßer Schwelle vor der deutschen Küste, und auch im weiter östlich gelegenen Bereich der Ostsee bildeten sich die Grobformen der heutigen Küsten aus.

Die Gletscher waren nun fast vollständig verschwunden. Das Festland von Skandinavien hob sich weiter, so dass sich die Küstenlinie weiter veränderte. Der südliche Bereich der Ostsee senkte sich, das vorrückende Meer überflutete die jung-glaziale Landschaft und formte sie dabei um. Im Ergebnis erstanden Boddenküsten, Haffs und Fördenküsten.

Man darf nicht vergessen, dass in dieser Zeit schon eiszeitliche Jäger des Neolithikums aktiv waren. Möglicherweise hatten einzelne Ereignisse wie der Ostseedurchbruch zur Nordsee dramatische Folgen innerhalb weniger Generationen. Für die damals lebenden Menschen waren Klimaveränderungen möglicherweise nicht nur abstrakt.

Neuzeit

Auch während der letzten 1200 Jahre gab es starke Klimaschwankungen. Auf der Nordhalbkugel und im europäischen Raum hat es drei klimatisch unterschiedliche Epochen gegeben:

  • Eine warme Periode vom 9. bis zum 11. Jahrhundert, die Mittelalterliche Warmzeit bzw. das Mittelalterliches Klimaoptimum.
  • Eine kühle Klimaepoche vom 14. bis zum 19. Jahrhundert, die Kleine Eiszeit.
  • Und wieder eine wärmere Phase ab dem 20. Jahrhundert.
Mittelalterliche Warmzeit

Das letzte Jahrtausend begann mit einer relativ warmen Klimaepoche, dem „Mittelalterlichen Klimaoptimum“. Der Höhepunkt dieser Epoche lag in Island und Nordamerika um 1100, in England um 1200 bis 1300. In einzelnen Regionen wie etwa in England lagen die Temperaturen um 1 bis 1,5 °C höher als im Mittel des 20. Jahrhunderts, was u.a. hier den Weinanbau ermöglichte. Die Besiedlung Islands und Grönlands und die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger fielen in diese Zeit.

Diese regionalen Klimaänderungen dürfen jedoch nicht mit der globalen Entwicklung und auch nicht mit der der Nordhalbkugel verwechselt werden. So war auch während des „mittelalterlichen Klimaoptimums“ die Durchschnittstemperatur auf der Nordhalbkugel niedriger als heute. Sie war etwa so hoch wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, jedoch etwa im Hochmittelalter (ca. 1000 bis 1300) kühler als in den Jahrzehnten nach 1970.Während dieser Zeit waren die Temperaturen aller Wahrscheinlichkeit nach auch niedriger als zur Zeit des sogenannten Hauptoptimums des Holozäns , dem Boreal, vor 6000 bis 7000 Jahren.

Kleine Eiszeit

Zwischen 1200 und 1400 veränderte sich das Klima in Europa rapide, und nach dieser „Klimawende“ begann die sogenannte „Kleine Eiszeit“, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts andauerte und danach von dem „Modernen Optimum“ , d.h. der gegenwärtig noch andauernden Erwärmung, abgelöst wurde.

Der Beginn der „Kleinen Eiszeit“ war gekennzeichnet durch intensive Sturmfluten an der deutschen und holländischen Küste im 14. Jahrhundert, denen Tausende von Menschen zum Opfer fielen und die den Küstenverlauf stark veränderten. Ganz Europa war im 14. Jahrhundert von kalten Sommern und Missernten heimgesucht, und viele Regionen, z.B. in England, verzeichneten Bevölkerungsrückgänge, die die durch die Pest sogar noch übertrafen. Die normannische Besiedlung Grönlands endete so mit einer Katastrophe.

Bekannt sind die Gemälde holländischer Maler aus einer etwas späteren Epoche mit den Schlittschuh laufenden Menschen auf zugefrorenen Grachten.

Mitverantwortlich für die kalten Temperaturen auch im Sommer waren vermutlich die verschieden, über 3 Jahrhunderte andauernden Ausbrüche der Katla, des größten isländischen Vulkans.

Klima ab dem 20. Jahrhundert

Das auffälligste Merkmal des Klimas in den letzten 1000 Jahren ist der Temperaturanstieg am Ende des 20. Jahrhunderts, der nach heutiger Auffassung durch die Industrialisierung und dem damit verbundenen erhöhten Ausstoß von Treibhausgasen verbunden ist. Im Augenblick steuern wir auf Temperaturen zu, die 2-4 Grad über denen des Boreals liegen. Ein Hyperboreal eben und der Anfang vom Beginn einer Pliozän ähnlichen Warmzeit. Dann ist dass Holozän endgültig zu Ende und die Wissenschaftler müssen sich neue Begriffe einfallen lassen.

Ursachen der Klimaschwankungen

Über die Ursachen von Klimaschwankungen wird viel diskutiert. Gemeinhin gelten der Abstand Sonne-Erde, Erdneigung, Sonnenaktivitäten, geografische Verschiebungen und die Auffaltung von Gebirgen, Änderungen der großen ozeanischen Strömungen, die Eis-Albedo-Rückkopplung und die Ausbrüche von Supervulkanen als entscheidende Faktoren. Mit dem Beginn der Industrialisierung kommt der Mensch als Faktor hinzu.

Indikatoren

Als wesentlicher Indikator für Klimaveränderungen gilt die Konzentration von Treibhausgasen. Während der borealen Phase lag die Konzentration bei 300 bis 350 ppm, im Pliozän bei über 400 ppm. Dieser Wert wurde 2013 erstmals wieder erreicht.

Im Pliozän waren die Eismassen in Grönland und in der Antarktis bedeutend kleiner. Dafür lag der Meeresspiegel 15 bis 25 Meter höher als heute. Ein Szenario das heute undenkbar erscheint. Doch es ist nicht ausgeschlossen. Nur wenige Grade Temperaturerhöhung auf der Nordhalbkugel genügen, um den Permafrostboden in der arktischen Tundra in Kanada und Russland zum auftauen zu bringen. Dann wird Methangas in ungeahnter Menge frei und das Ganze kippt.

Klimaschwankungen in früheren Erdzeitaltern vollzogen sich über die Dauer von Hunderttausenden bis Millionen Jahren – vielen Arten blieb genug Zeit, sich den neuen Bedingungen anzupassen. Wird die Gattung Homo Sapiens diese Zeit haben. Sie wähnt sich noch als Herr der Natur. Aber was sind 300 Jahre Industrialisierung erdgeschichtlich gesehen, ein Wimpernschlag.

Kohlendioxid, Methan und Salzgehalt der Meere

Glaubt man der World Meteorological Organization (WMO), so ist die globale mittlere Konzentration von CO2 in der Atmosphäre seit 1750, dem Beginn der Industrialisierung um 41 Prozent, von Lachgas um 20 % und Methan um 160 % angestiegen. Infolgedessen verbleibt etwa die Hälfte des durch Menschen verursachten Kohlendioxides in der Atmosphäre, der Rest wird von der Biosphäre und den Ozeanen absorbiert.

Ein Blick auf den zickzackartigen Temperaturverlauf der letzten 130 Jahre lässt keinen Zweifel: Der Trend geht eindeutig nach oben. Zwischen 2° und 4° C soll sich die Erde im Durchschnitt erwärmen. In den Regionen nördlich 65° wird bis zum Ende des Jahrhunderts sogar ein Temperaturanstieg von bis zu 6 °C erwartet.
Das unaufhörliche Schmelzen des Nordpolareises führt zu einer abnehmenden Meereisbedeckung. Wo Eis und Schnee das Sonnenlicht bisher reflektierten, absorbiert das Wasser die Sonnenstrahlen und verstärkt die Erwärmung im Nordpolarmeer.

Der Salzgehalt der Ozeane ändert sich. Aufgrund der Ausdehnung der Wassersäule und Eisschmelze steigt der Meeresspiegel hingegen an. Die Lebensräume verschiedenster Arten verschieben sich in Richtung Pole.

Prognosen

Neuste Berechnungen gehen davon aus, dass, wenn das Kohlendioxid in der Atmosphäre so ansteigt wie bisher, 900 ppm erreicht werden können. In anderen wird ein CO2 -Ausstoß auf 550 ppm vorausgesagt. In beiden Fällen würde sich die Wasseroberfläche der Weltmeere biochemisch verändern, wenn auch regional unterschiedlich. So versauerten die tropischen Gewässer weniger schnell, in den gemäßigten Zonen Mitteleuropas stiegen die Temperatur langsamer an als anderswo.

In den Polarregionen würde das Wasser sogar sauerstoffreicher und die Meere produktiver. Zu einer Abkühlung des Wassers oder einem steigenden pH-Wert wird es nirgendwo kommen. In der Summe aber würden die Meere wärmer, saurer und sauerstoffärmer werden. Das hatten wir schon einmal.

Die neue Warmzeit

Sind wir auf dem Weg zurück ins Pliozän? Kann unsere Spezies damit umgehen? Können wir nur noch auf den Ausbruch von Supervulkanen ähnlich denen wie: Thera um (1600 v. Chr.), Katla (ab dem 12. Jh.), Tambora (1815) oder Krakatau (1883) hoffen) ?

Die EU hat unlängst ihre Klimaziele relativiert. Einzelne Staaten sind von konkreten Klimavorgaben und Emissionszielen befreit. Zum Schluss wir zusammengerechnet und dann schaun mir mal. Wir Europäer sind dann weltweit gesehen sowieso fein raus, weil dann der größte globale Veschmutzer China mit Abstand ist.

Aber was nützt es der Erde und ihrem Klima? Das interessiert sich doch überhaupt nicht für nationale oder internationale Klimaprotokolle und ähnlichem Schnickschnak politischer Eitelkeiten. Will unsere Gattung überleben, muss sie sich mit der Natur ins Benehmen setzen, das wussten schon die Naturvölker und sie haben recht!

Hartmut Dold

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Auf dem Weg ins Hyperboreal?

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