Kopenhagener 13

Das Gleimviertel ist ein Mikrokosmos Berliner Geschichte. Hier spielt sich Berliner Leben in allen Epochen ab. Kaiserreich, Weimarer Republik, Faschismus, Judendeportation und 2.Weltkrieg, DDR und neue Bundesrepublik. Für die letzten beiden Etappen können wir eine Geschichte erzählen.

Es geht um das Haus Kopenhagener 13. Das ist seit 2 Jahren eine Investruine. Früher hat sich hier Leben abgespielt. Warum ist jetzt alles anders?

Wir haben darüber bereits vor gut einem Jahr berichtet. Der Zustand ist unverändert. Es tut sich nichts! Das hat den Abgeordneten Nelken/LINKE zu einer Kleinen Anfrage veranlasst. Er will wissen, was das Bezirksamt unternimmt und ob es sich überhaupt zuständig fühlt. Warum diese Aufregung?

Das Haus Kopenhagener 13 ist nicht irgend Eines. Hier hat sich auch Geschichte abgespielt, jedenfalls Filmgeschichte. Hier wurde Solo Sunny gedreht, der letzte Spielfilm eines der bedeutendsten Regisseure der DDR, Konrad Wolf. Unterstützt wurde er vom nicht ganz unbekannten Drehbuchautor und Co-Regisseur Wolfgang Kohlhaase.

Der Film über eine Außenseiterin, Sängerin einer Band und ihrer Ansprüche an das Leben, passte nicht in das vorgegebene sozialistische Leitbild und kritisierte es impliziert. Wir waren damals begeistert von dem Film und auch vom Soundtrack, der von Günther Fischer in Zusammenarbeit mit der Jazzsängerin Regine Dobberschütz entstand, die die Titel der Hauptdarstellerin Renate Krößner sang. Im Film wirkten auch die Molly-Sisters mit. Der Film selbst und Renate Krößner wurde international mehrfach ausgezeichnet.

Sunny und Ralph unterhalten sich im Film darüber, wie es in der DDR ist, bewusst in einem unrenovierten Altbau zu bleiben und nicht in einen neuen Plattenbau umzuziehen. Da ging es aber um Außen- oder Innentoiletten, um Ofen oder Zentralheizung und um Innen oder Randlage. Peripher war der Mietpreis. Er belief sich zwischen 40 und 70 DDR-Mark für eine 2- bis 3-Raumwohnung.

Wo und wie leben wir heute? Die Fassaden sind schöner und der Standard ist höher. Äpfel und Birnen?

Hartmut Dold

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Solo Sunny

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