Abstieg und Ende – ein Abriss

Vom 17.Mai bis 12.August 1945 ist Fallada Bürgermeister in Feldberg. Der sowjetische Kommandant stellt seiner Frau nach, Anna seine Exfrau, wird vergewaltigt. Am 13.8. erfogt der Zusammenbruch und eine Einweisung ins Krankenhaus Neustrelitz.

Am 1.9. geht’s mit dem Zug nach Berlin zu ihrer ( Ursula Loschs ) Wohnung in der Meranerstr.23, die bewohnt und zum Teil ausgebrannt ist, ein Zimmer ist frei. Sie Beschaffen sich Morphium und Schlafmittel gegen Einrichtungsgegenstände und Pelzmantel.

Becher stöbert Fallada auf und verschafft ihm eine Zuzugsgenehmigung und Essenkarten. Er besorgt Fallada ein Haus in Niederschönhausen, Eisenmengerweg Nr.19. Dort zieht das Ehepaar Fallada am 17. November ein.

12.10. 45, Brief an den Kulturbund:

Fallada erhält von Becher 90 Seiten Gestapoakten über die Hitlergegnerschaft „kleiner Leute“, Grundlage für seinen Roman „Jeder stirbt für sich allein“.

Fallada und seine Frau U.Losch sind beim Internisten Dr. Bell wegen Sucht und Tablettenabhängigkeit in Behandlung. Falladas Sohn Uli und die Tochter seiner Frau, Jutta, wohnen bei ihnen.
Weihnachten 45: Fallada und Frau sind bei Becher eingeladen. Unter den Gästen sind Pieck und Fedin. Man spricht über den „Nürnberger Prozess“.

Januar 46: Fallada wird in einem „offenen“ Brief seiner ehemaligen Sekretärin denunziert.

Anfang Februar 46: Fallada und seine Frau sind zur Entziehungskur in den Kuranstalten Neuwestend.

Fallada hat Schulden. Seine kostbare, dreitausend Bände umfassende Bibliothek mit Erstausgaben der Werke E.T.A.Hoffmans und Jean Pauls, werden verkauft; der größte Teil seiner fünfundsiebzigtausend Mark Vorschusshonorars des Aufbau Verlages für „Jeder stirbt für sich allein“ gehen für Morphium Ampullen drauf.

Im März erfolgt die Rückkehr zum Eisenmengerweg, der Kreislauf beginnt von vorn.

1. Mai 46: Fallada schreibt sein Testament. Anschließend dreht er durch und droht mit Selbstmord. Erst eine Spritze Morphium durch den von Becher rasch herbeigeholten Arzt Dr.Kupke beruhigt den „Wütenden“.
Einweisung in ein ehemaliges Altersheim, jetzt Hilfskrankenhaus, Marthastr.10, auf Bitten Bechers – dann fogt ein erneuter Selbstmordversuch.

Fallada beschreibt seine Situation und sein Schicksal der letzten 18 Monate in „Fallada sucht seinen Weg“, später als Roman „der Alpdruck“ veröffentlicht. In der Gestalt des Schriftstellers Doll und seiner Frau Alma erzählt er seine Geschichte seit Feldberg minutiös, wenn auch von den Tatsachen und der zeitlichen Abfolge abweichend.
Am 22.Juli ist er fertig, einen Tag nach seinem 53.Geburtstag. Die Arbeit hilft und stabilisiert ihn für einige Zeit.

30. September 46: Fallada beginnt die Arbeit an seinem Roman „Jeder stirbt für sich allein“. Er schließt einen Vertrag mit der DEFA über die Verfilmung ab.

In 24 Tagen ist er fertig – morgens um 5 Uhr beginnt er, abends 19 Uhr ist Schluss. Es gilt die alte Regel jeden Tag mindestens eine Seite mehr zu schreiben als am Tag zuvor.

Die Kinder haben die Wohnung wieder verlassen. Fallada und seine Frau sind nicht mehr in der Lage das Leben ohne Hilfe von außen zu meistern. Sie werden in die Nervenklinik der Charite verbracht.

Fallada wird im Rollstuhl in einen Hörsaal gefahren, als abschreckendes Beispiel für Rauschgiftsucht und gesellschaftlichen Abstieg.
Fallada schreibt seinem langjährigen Lektor Geyer vom Rowohlt Verlag einen Brief und seiner Mutter – er resümiert sein persönliches Scheitern und will es noch einmal versuchen.

Am 10. Januar 47 ist er wieder draußen, aber nicht im Eisenmengerweg, das Haus hat er aufgegeben, sondern in einem Hilfskrankenhaus, einer ehemaligen Gemeindeschule in der Blankenburger Strasse 3. Er hat Bücher und Manuskripte mitgenommen, aber er arbeitet nicht. Seine Frau ist auch im Krankenhaus untergekommen und versorgt ihn weiter mit Alkohohl und Zigaretten.

Am 5. Februar stirbt er, allein, Herzversagen ist die amtliche Todesursache.

Am 28.2.1947 wird er in Schönholz beigesetzt. Auf einer Feier im Krematorium Pankow hält Becher im Beisein von Anna Ditzen und Ursula Losch die Gedenkrede, ein paar Bekannte und Freunde sind da. Paul Wiegler hält die Grabrede, es ist kalt Ende Februar.

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Hartmut Dold

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Fallada in Berlin Teil 2

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