Kleiner Man – was nun?

Am 21.Juli 1893 wird Fallada als Rudolf Wilhelm Adolf Ditzen in Greifswald geboren.
Sein Vater, Landgerichtsrat, wird 1999 nach Berlin an das Kammergericht, 1.Strafsenat, versetzt. Die Familie bewohnt standesgemäß eine 7 Zimmerwohnung  in der Luitpoldstraße 11, Schöneberg.
1901 wird Rudolf am Prinz- Heinrich-Gymnasium eingeschult. Dem Rauswurf entgeht er, indem 1906 er auf das benachbarte Bismarck-Gymnasium wechselt. Mit der Versetzung seines Vaters ans Reichgericht Leipzig endet seine Berliner Zeit 1909.

Etliche Jahre später ist er, inzwischen verheiratet, nach einer Zeit voller „Irrungen und Wirrungen“ ( Heilanstalten, Gefängnisaufenthalte) zurück.
Am 15. Januar 1930 ziehen die „Falladas“ nach Berlin-Moabit, Calwinstrasse Nr.15a bei Nothmanns, in eine 2-Zimmerwohnung, zwischen Spree, Kriminalgericht und Schloß Bellevue gelegen.

Nach Jahren in der „Provinz“ ist Fallada wieder in Berlin, wo er sich bessere Möglichkeiten für sein Wirken verspricht.
Er tritt er eine Stelle bei Rowohlt an und kümmert sich um den Versand von Besprechungsexemplaren, sammelt Rezensionen und arbeitet sie auf.
Nachmittags hat er frei und so beginnt er am 4. Februar 1930 einen Roman, mit dem Titel „Bauern, Bonzen und Bomben“. Vorabdrucke erscheinen und Tucholsky bespricht in der Weltbühne“ den Titel, der im März 1931 erscheint.

Die literarische Verarbeitung seiner Zeit in Neumünster, in der die Ereignisse um die „Landvolkbewegung“ geschildert werden, wird zu einem ersten Erfolg, auch in finanzieller Hinsicht.

Am 14.März wird sein Sohn Ulrich (Murkel) geboren, am 5.August ziehen die Falladas nach Neuenhagen, grüner Winkel 30, in ein Reihenhaus. Fallada kann einen Teil seiner Schulden aus seiner Zeit auf den holsteinischen Gütern abbezahlen. Viertausendfünfhundert RM überweist er, ein Drittel der anstehenden Summe.

Am 2. März 1931, beginnt Fallada an einem neuen Stoff zu schreiben. „Kippe oder Lampen“ heißt der Arbeitstitel aus dem zwei Jahre später sein großer Gefängnisroman „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“ wird.
Vorerst aber lässt er ihn nach dem 4.Kapitel liegen um sich einer neuen Geschichte zu widmen. Im Juni zeigen sich die ersten Umrisse, er schließ einen Vertrag mit dem Rowohlt-Verlag, aus dem er wegen dessen wirtschaftlicher Schieflage ausscheiden musste.

Am 19.10 1931 beginnt er „Kleiner Mann- was nun“, so der spätere Titel, aufzuschreiben; Abgabetermin 31.3.1932. Das Manuskript wird pünktlich abgeliefert. Ein Vorabdruck in der „Vossischen Zeitung“ und in 50 weiteren Provinzzeitungen folgen.

Die Geschichte der kleinen Leute in der Weltwirtschaftskrise, ihre Arbeitslosigkeit, Entmutigung und Verelendung, trifft den Nerv der Zeit. Die Resonanz ist riesig, der Roman steht an der Spitze der „Bestsellerliste“, Übersetzungen erscheinen in den USA, England, Frankreich und Dänemark. Fallada ist berühmt.

Mitte November 1932 erfogt der Umzug nach Berkenbrück, nahe Fürstenwalde an der Spree. Hier wird er vom ehemaligen Hausbesitzer, jetzt Untermieter, bei der SA denunziert, wegen „Verschwörung gegen die Person des Führers“. Am 30.April 1933, nach 12 Tagen kommt er frei, Rowohlt hat interveniert.

Fallada flieht nach Berlin in die „Pension Stössinger“ in der Lietzenburgerstr. 24.
Ein Nervenzusammenbruch folgt, der Verleger Suhrkamp hilft ihm und beschafft einen Sanatoriumsaufenthalt für ihn und seine Familie in Waldsieversdorf nahe Berlin.

Hier endet sein „Berliner Kapitel“ vorerst. Erst nach dem Krieg wird er zurückkommen.
Jetzt zieht es ihn nach Carwitz, bei Feldberg auf ein Anwesen, dass er gekauft hat und auf dem er seine literarisch schaffensreichste Zeit verbringt.

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Hartmut Dold

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Fallada in Berlin Teil 1

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