Georg Streiter – ein Menschenfreund

Mit dem Projekt Stolpersteine, in die Gehwege eingelassene Messingplatten, wird in der Regel der jüdischen Mitbürgern gedacht, die durch das Naziregime in die Konzentrationslager deportiert und dort umgebracht wurden. In der Schönhauser Allee 130 gibt es seit 2009 auch einen Stolperstein, der an Georg Streiter erinnert. Er wurde 1944 ins KZ Ravensbrück verschleppt und dort vermutlich 1945 erschossen. Er hatte sich für Kriegsgefangene eingesetzt.

Neben der Messingplatte in der Schönhauser Allee erinnert auch eine Gedenktafel am Reichstag an sein soziales und politisches Wirken.

Georg Streiter hat sich vor allem auf dem Gebiet der Krankenpflege profiliert. 1903, nach einer Ausbildung als Krankenpfleger, übernahm er die Leitung des ersten „Gewerkvereins der Krankenpfleger und verwandter Berufe“. In dieser Zeit veröffentliche er sein wissenschaftliches Werk „Die wirtschaftliche und soziale Lage des Krankenpflegepersonals in Deutschland“.

Von 1914 bis 1918 arbeitete Streiter für das Rote Kreuz an Kriegsschauplätzen in Belgien, Polen und der Türkei und wurde für seinen Einsatz mit preußischen, österreichischen und türkischen Orden ausgezeichnet. Am 15. 11. 1918 war er Gründungsmitglied der DVP, in deren Zentralvorstand er gewählt und für die er auch Stadtverordneter wurde. Nachdem er aus der Stadtverordnetenversammlung ausgeschieden war, blieb er Mitglied der BVV Prenzlauer Berg.

Von 1921 bis 1924 war er gesundheitspolitischer Sprecher der DVP im Reichstag, von 1926 bis 1928 Mitglied des Preußischen Landtages. In diesen Funktionen wie auch in zahlreichen Beiräten und Vereinigungen engagierte Streiter sich für die Professionalisierung der Kranken- und Wohlfahrtspflege. Die zu diesem Zweck 1927 gegründete Deutsche Gesellschaft für Krankenpflege wurde 1933 von den Nationalsozialisten aufgelöst, ihre Zeitschrift eingestellt.

Streiter fand 1935 eine neue Arbeit beim Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes. Ab 1940 war er dort für polnische und französische Kriegsgefangene zuständig. Am 1. 11. 1944 wurde Georg Streiter in seiner Dienststelle verhaftet. Ihm wurde die verbotene Übermittlung von Briefen Kriegsgefangener vorgeworfen. Vermutlich ist Streiter 1945 im KZ Ravensbrück von den Nazis ermordet worden.

Hartmut Dold

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Gleimviertel Berlin – Stolpersteine

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