Ein Beitrag zur Diskussion um das Thälmann-Denkmal

Sie nannten ihn Teddy und so heißt auch eine Initiative um das Wohngebiet des Thälmannparks – Teddy 2.0. Teddy steht für Ernst Thälmann, dem Führer der KPD in den 20-er und 30-er Jahren. Sein Denkmal, von Lew Kerbel entworfen, steht wuchtig im damals üblichen Stil im gleichnamigen Areal. Jetzt soll eine Gedenktafel mit Kommentierung angebracht werden. Wir befürchten Schlimmes.

Über die Vorlage und den Arbeitstext, haben bisher zwei Ausschüsse beraten und abgestimmt. Ergebniss: (Ja 13 / Nein 0 / Enthaltungen 1, bzw. Ja 11/ Nein 0 / Enthalten 2). Federführender war der Ausschuss für Stadtentwicklung und Grünanlagen. Den bisher vorliegenden Text halten wir für unreif. Er erinnert uns auch an die Feder eines bestimmten Forschers oder historischer Unbedarftheit.

Der Antrag steht in der BVV Pankow am 11.12.2013 zur Beratung an. Immerhin soll der Text für die Kommentartafel von „qualifizierter und sachverständiger Seite“ erarbeitet werden. Wenn wir die Namen der Sachverständigen kennen, können wir auch das Ergebnis voraussagen.

Als ehemaligem DDR-Bürger, der nach dem Studium auf Wohnungssuche war, war klar, da kommst Du nie hin, da wohnen nur Bonzen (Thälmannpark). Stattdessen haben wir ein Jahr lang in unserem Arbeitszimmer im Institut für Denkmalpflege auf einem Feldbett übernachten müssen, bevor wir eine heruntergekommene 1-Raum-Wohnung im 4-OG eines Altbaus im Friedrichshain zugewiesen bekommen haben. Immerhin war sie billig.

Mit der offiziellen DDR-Propaganda hatten wir nicht viel am Hut, sie war penetrant. Natürlich mussten wir uns die Thälmann-Filme ansehen. Das Pathos hat uns damals schon peinlich berührt. Wir waren auch im KZ Buchenwald! Dort wo Thälmann und mit ihm 10-Tausende KZ-Häftlinge umgebracht wurden. Wir haben das Krematorium besichtig, die Baracken und die Genickschussanlage. Die dort gezeigten Filme von den Leichenbergen haben wir verinnerlicht.

Was bleibt sind die historischen Fakten. Und da stößt uns übel auf, dass ein Mensch, der über 11 Jahre im Gefängnis und KZ saß, der drangsaliert und gefoltert wurde, mal eben nonchalant als Opfer und Täter bezeichnet wird.

Gewiss war er ein politischer Gegner der SPD, bestimmt war er ein Anhänger Stalins und der Sowjetunion, also ein Antidemokrat. Aber vielleicht waren das auch seine Überzeugungen und inneren Werte. Wer hat die noch im heutigen Politikbetrieb.

Vielleicht war die Zeit auch eine Andere und die Unterscheidung zwischen Gut und Böse, Falsch und Richtig, Wahr und Unwahr dem jeweiligem Zeitgeist und politischen Interessen geschuldet. Wir kennen uns mit dem Dialektischen und Historischen Materialismus gut aus. Was uns an Letzterem immer gestört hat ist die Gewissheit historischer Wahrheiten und objektiver Gesetze. Die gibt es nicht!

Da braucht man gar nicht irgendwelche selbsternannten Biografen zu bemühen, die beweisen, was ihre Auftraggeber ihnen in die Feder gelegt haben. Das ist der selbe Murks wie die Thälmann Glorifizierung in der DDR.

Von einer Kommentierung des Thälmanndenkmals auf einer Gedenktafel können wir nur abraten. Da wird nur das gegenwärtige Geschichtsbild abgebildet. Und das ist, historisch betrachtet, nichts wert! Eine politische Kommentierung eben.

Liebe Leute, lasst doch das Denkmal stehen wie es ist, ein Stück Zeitgeschichte eben. Und wenn einige Menschen glauben es mit Farbbeuteln bewerfen zu müssen und andere daran ihr poltisches Süppchen kochen. Na und? Der Regen wäscht alles ab.

Die Geschichte der Sieger ist auch immer die Geschichte der Besiegten.

Drucksache-VII-0517

Pankower Allgemeine Nachrichten

Wikipedia

Hartmut Dold

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