Was mal gesagt werden muss

Vorgestern, im Alter von 95 Jahren, ist Nelson Mandela gestorben. Wir sind traurig. Lange haben wir darüber nachgedacht, ob wir als kleine, lokale Webseite uns diesem großen Thema und dem Mann, der ein moralischer Leuchtturm war und bleiben wird, überhaupt nähern können. Dann hat uns die Vermarktung seines Todes und seines Lebens in den öffentlichen Medien und der Politik wütend gemacht.

Peinlich die Lobgesänge der Führer von Staaten, deren Regierungen in den 27 Jahren seiner Haft keinen Finger für ihn krumm gemacht haben. Aber da galt er ja noch als Kommunist und wurde von einem CIA-Tippgeber an das Apartheid-Regime verraten.

Zynisch das Verhalten Obamas, der sich auf seiner Afrika-Reise im Frühjahr dieses Jahres noch einmal im Glanz dieses aufrechten Mannes sonnen wollte. Ausgerechnet Obama, der versprochen hatte, das Foltergefängnis Guantanamo zu schließen und sein Versprechen gebrochen hat. Was unterscheidet Guantanamo von Robben Island, dem Knast in dem das Apartheid-Regime seine politischen Gefangen einsperren und in Salzminen arbeiten lies?

Aber die Vermarktung hatte ja noch zu Lebzeiten begonnen und nahm spätestens seit der Fußball WM in Südafrika Waka-Waka folkloristische Zuge an. Heute verspielen seine Nachfolger im ANC um Jacob Zuma sein politischen Erbe. Korruption und Vetternwirtschaft, Kriminalität und Armut weiter Teile der Bevölkerung sind in diesem reichen Land an der Tagesordnung.

Dazu kommt, dass große Ländereien, wie in andren Teilen Afrikas auch, an die Chinesen verkauft werden. Die bezeichneten jetzt ausgerechnet Mandela als alten Freund Chinas. Für Barack Obama ist er sogar das Vorbild, ohne dass er sich seinen Lebensweg nicht hätte vorstellen können. Und auch der umtriebige Geschäftemacher Blatter von der Fifa hat die Auslosung der Gruppen zur Fußball WM in Brasilien benutzt, um sich mit dem Tod Mandelas durch eine Schweigeminute, die allerdings nur einige Sekunden dauerte, ein moralisches Mäntelchen umzuhängen.

Wer sein Erbe antreten will, muss für die Freiheitsrechte der Menschen eintreten, für Frieden und gegen Armut und Korruption kämpfen. Er muss anerkennen, dass alle Staaten gleichberechtigt sind und darf seine Bürger und Soldaten nicht privilegieren. Er muss die Privatsphäre der Menschen Schützen und sie nicht ausspionieren. Er muss dafür sorgen, dass die Menschenrechte gewahrt bleiben und die Gesetze angewandt werden.

Wer das nicht tut, hat kein Recht sich auf Nelson Mandela zu berufen. Was dann bleibt ist nicht mehr als ein Heldenkult und Politikfolklore.

Hartmut Dold

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