Mit dem Papst und der OECD gegen Altersarmut

Wenn schon die zukünftigen Großkoalitionäre das Problem der Altersarmut nur halbherzig angehen, kann nur Papst Franziskus helfen. Eventuell sind auch einschlägige  Statistiken der OECD nützlich. In einer Art Regierungserklärung mit 180 Seiten Umfang hat Franziskus jetzt deutlich gemacht was ihn bewegt. „Diese Wirtschaft tötet“, der Mensch werde „wie ein Konsumgut betrachtet, dass man gebrauchen und wegwerfen kann.“ Da fallen wir noch vom Glauben ab, so wir einen hätten.

Also, ich bin evangelisch getauft, aber ohne mein zu tun. Erzogen bin ich als Atheist, aber eine Neigung zu den moralisch-ethischen Fragen wie: Die nach dem Tode, dem richtigem Miteinander, der sozialen Verantwortung des Einzelnen, dem Verhalten zur Umwelt und den Tieren, nach Geschichte-Gegenwart-und Zukunft und die Frage: wie soll man leben, sind mir wichtig. Muss ich jetzt der Katholischen Kirche beitreten?

Mitnichten: Sie ist ja in erster Linie immer noch Amtskirche, reich wie nur irgendwer (jedenfalls in Deutschland) und frönt Gebräuche, wie die Beichte, die mir fremd sind. Daneben ist sie auch munterer Unternehmer mit Wirtschaftsbetrieben wie die Caritas, den Weltbildverlag etc. Sie besitz Unternehmensbeteiligungen, Immobilen und Grundbesitz. In nicht allen ihrer Einrichtungen werden ihre Mitarbeiter nach Tarif bezahlt. Von den Tarifverträgen christlicher Gewerkschaften ganz zu schweigen.

Dazu hat sie sich eine historische Wahrheit zu Recht gelegt, die nicht den Tatsachen entspricht und erst in zahlreichen Konzilen (Konzil von Nicäa) zu einem Katechismus zurechtgezimmert werden musste. Über ihren Umgang mit Abweichlern, Katharern und Ketzern und der Inquisition reden wir erst gar nicht.

An den Glaubensgrundsätzen will und wird der Papst festhalten. Das würden wir ihm als Bürger mit DDR-Migrationshintergrund auch empfehlen. Sonst fliegt ihm sein Laden bald um die Ohren. Aber wichtiger ist doch, dass er lieber eine arme, dafür eine volle Kirche will. Die dürfe auch „verbeult“ sein.

Wenn er die ungleiche Verteilung des Reichtums und die sozialen Verwerfungen im Gefolge geißelt und schreibt: “Solange die Probleme der Armen nicht von der Wurzel her gelöst werden, indem man auf die absolute Autonomie der Märkte und der Finanzspekulation verzichtet und die strukturellen Ursachen der Ungleichverteilung der Einkünfte in Angriff nimmt, werden sich die Probleme der Welt nicht lösen und kann letztlich überhaupt kein Problem gelöst werden“, sind wir wieder bei ihm.

Man braucht nicht unbedingt in die Dritte Welt zu schauen, um Armut zu entdecken. Es gibt sich massenhaft in Europa und auch in Deutschland. Bei uns werden in naher Zukunft immer mehr Menschen altersarm werden. Einschlägige Statistiken der OECD und deutscher Forschungsinstitute liegen vor.

Gibt man in das Google-Suchfeld „Altersarmut“ ein, werden als nächstes die Begriffe „Altersarmut in Deutschland“ und Altersarmut in Berlin“ vorgeschlagen. Das hat seinen Grund. Wie eine Vergleichsstudie der OECD für 34 Mitgliedsstaaten der EU zeigt, ist Deutschland Schlusslicht, weltweit nur noch von Japan unterboten. Darüber waren sogar die Macher der Studie erschrocken und befanden „Wir müssen aufpassen, dass die langfristigen Folgen für den sozialen Zusammenhalt und Altersarmut nicht aus dem Blick geraten. (M.Queisser, Leiterin der Abteilung Sozialpolitik)

In der besagten Statistik, dass das Verhältnis der Rente zum Arbeitseinkommen in Prozent bemisst, führt Dänemark mit 117,5%. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 81,7%, Frankreich bei 75,9%, die USA bei 58,7 %, Deutschland bei 55,2 % und Japan bei 54,3%. Die Ursachen sind bekannt. Das deutsche Rentensystem mit seiner beitragsgedeckten Finanzierung und dem Punktesystem, der große Niedriglohn-und Leiharbeitsbereich und die Vielzahl prekärer Arbeitsverhältnisse. Hartz IV Empfänger erhalten keine Zuschüsse zur Rentenversicherung und keine Jahresanrechnung.

Der Forderung der SPD nach einer Mindestrente von 850 Euro war ein Schritt in die richtige Richtung, ist aber auf 2017 verschoben worden und damit wohl auf den St.-Nimmerleins-Tag. Wer ohne Abschläge jetzt mit 63 in Rente gehen möchte, muss 45 ununterbrochene Beitragsjahre vorweisen, also ab 18. Wer hat die schon?

Siehe auch hier

Hartmut Dold

Please follow and like us:
„Diese Wirtschaft tötet“ – „Evangelii Gaudium“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.