Zunehmend Extremereignisse rund um den Globus

Jetzt also der Taifun Haiyan. Tausende Tote und schwere Verwüstungen auf den Philippinen. Die Medien sind voll davon. Über die Gefahren der Erderwärmung haben wir schon einmal berichtet und uns damit getröstet, dass es uns im Gleimviertel schon nicht treffen würde, höchstens unsere Kinder und Enkel. Jetzt sind neue Fakten aufgetaucht.

Eine Analyse der ersten neun Monate zeigt, dass 2013 voraussichtlich unter den zehn wärmsten Jahren seit 1850 sein wird. Das geht aus einer Stellungnahme der Weltmetereologieorganisation (WMO) zum Zustand des Klimasystems hervor.

Der Zeitraum Januar bis September 2013 war nach WMO-Angaben, die sieben wärmste derartige Periode in den Messreihen. Das bisher wärmste Jahr war 2010, dicht gefolgt von 2005 und 2008. In diesen drei Jahren hatten jeweils El-Niño-Ereignisse zu den hohen Temperaturen beigetragen. In 2013 sind die Verhältnisse in dieser Hinsicht bisher neutral, das heißt, es gibt weder einen El Niño noch dessen kaltes Gegenstück La Niña. Umso bemerkenswerter der Temperaturanstieg.

Streit um die Deutungshoheit

Unter den Klimaforschern herrscht Verwirrung. Während einige von einer Pause im Temperaturanstieg berichten und das auch mit Zahlen belegen können, sind andere ganz anderer Ansicht.

Zu ihnen gehört der Klimaforscher Stefan Rahmsdorf vom Potsdamer Institut für Klimaforschung. Er schreibt in seinem Blog : “Eine neue Studie britischer und kanadischer Forscher zeigt, dass die globale Erwärmung der letzten 15 Jahre erheblich unterschätzt worden ist. Grund sind die Datenlücken im Temperatur-Messnetz, vor allem in der Arktis. Füllt man diese Datenlücken mithilfe von Satellitenmessungen, wird der Erwärmungstrend in den weithin verwendeten britischen HadCRUT4-Daten mehr als verdoppelt, und die zuletzt vieldiskutierte „Erwärmungspause“ ist praktisch verschwunden.“

Als Ursache macht er die Speicherung der Sonnenenergie in den Weltmeeren und im Meereis verantwortlich. „Die Sonnenenergie und die Treibhausgase heizen gegenwärtig nicht mehr die Erdatmosphäre sondern die Weltmeere auf. Dadurch ist der Wärmeinhalt der oberen Schichten doppelt so stark gestiegen. Die Erwärmung verläuft besonders stark im Meeresgebiet um Grönland“.

Wie eine Studie des Alfred-Wegner-Instituts zeigt, stieg die Wassertemperatur in den vergangenen dreißig Jahren unterhalb von 2000 Metern um 0,3 Grad Celsius. Damit erwärmte sich dieses Gebiet etwa zehnmal stärker als die Weltmeere im Mittel. Der Nordatlantik und die Klimapumpe des Golfstroms sind aber entscheidend für unser Klima. Für Norwegen ist es evident. Schon geringe Ausschläge in die eine oder andere Richtung haben gravierende Auswirkungen.

Was wichtig ist

Extreme lokale Klimaereignisse wie Stürme, Sturmfluten oder Überschwemmungen nehmen zu. Rahmsdorf fasst seine Erkenntnisse wie folgt zusammen:

  • Die stärksten Stürme sind in den letzten Jahren häufiger geworden
  • Modelle lassen eine weitere Verstärkung für die Zukunft erwarten
  • Wärmeres Wasser und Meeresspiegelanstieg verschlimmern die Folgen, wie Starkregen und Sturmfluten.
  • Ursache für Extremwetterereignisse ist vor allem die Differenz zwischen dem warmen Meer und der Troposphäre. Aus diesem Gefälle beziehen die Wirbelstürme ihre Energie
Arktisches Meereis

Das arktische Meereis hat für das Klimasystem eine besondere Bedeutung, weil es rund 70 Prozent des Sonnenlichts reflektiert. An den eisfreien Stellen der nördlichen Meere kann die Sonne, wenn sie im Sommer 24 Stunden am Himmel steht, das Wasser nahezu ungehindert erwärmen.

Die Eisbildung ist großen jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen: Das Maximum wird gewöhnlich zum Ende des Winters erreicht, dieses Jahr am 15. März mit 15,13 Millionen Quadratkilometern. Das war eine halbe Million weniger als im Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Das Minimum wird hingegen Ende Sommer erreicht, in diesem Jahr am 13. September mit 5,1 Millionen Quadratkilometern. Das war mehr als das bisherige Rekordminimum vom Vorjahr, aber immer noch rund 1,1 Millionen weniger als das Mittel der Jahre 1981 bis 2010.

Der Trend zeigt nach unten.

Das drückt sich auch darin aus, dass der Anteil mehrjährigen und damit dickeren Eises an der Eisfläche drastisch zurückgegangen ist. Im März 1984 bestand 18 Prozent der Eisfläche aus vierjährigem und älterem und 56 Prozent aus einjährigem Eis. Im März 2013 war hingegen nur noch drei Prozent des Eises vier Jahre und älter, 78 Prozent der Fläche bestand hingegen aus neuem, gerade erst gefrorenem Eis.

Dieser Rückgang des alten, dicken Eises hat zur Folge, dass das Meereis im Frühjahr und Sommer schneller und vollständiger schwinden kann. Neben der Sonneneinstrahlung können hierfür auch die Winde eine große Rolle spielen, wenn sie das Eis zum Beispiel durch die Grönlandstraße aus der Arktis heraus nach Süden drücken, oder wenn ein starker Sturm zur falschen Zeit das dünne Eis aufbricht, zusammenschiebt und wärmeres Wasser aus der Tiefe herauf wühlt.

Extremereignisse

Extreme Hitzewellen erlebten 2013 unter anderem Pakistan (51 Grad Celsius in Larkana am 19. Mai), Südafrika (In Vioolsdrif wurden am 4. März 47,3 Grad Celsius gemessen, die höchste Temperatur, die je im März in ganz Afrika registriert wurde), Ghana (43 Grad Celsius am 6. März in Navrongo, die höchste je in Ghana gemessene Temperatur), Mitteleuropa, Japan und China sowie verschiedene Teile Australiens. Im südaustralischen Moomba kletterte am 7. Januar das Thermometer auf 49,6 Grad Celsius.

Der Nordosten Brasiliens erlebte im zweiten Jahr in Folge ein Dürre, die inzwischen als die schwerste seit 50 Jahren eingeschätzt wird. In fünf der neun dortigen Bundesstaaten musste Nahrungsmittelhilfen wegen mangelhafter Ernteerträge verteilt werden. Schwere Dürren gab es auch auf den Marschall-Inseln, in Angola, Namibia, Teilen Südchinas und Neuseelands, während die USA und Australien erneut mit katastrophalen Buschbränden zu kämpfen hatten.

Schwere Fluten suchten Australien (Queensland), Mali, Mosambik, die USA, Argentinien, Marokko, Somalia, Kenia, heim. In Mitteleuropa waren Deutschland, die Schweiz, Österreich, Polen und die Tschechische Republik betroffen.

Und jetzt der stärkste bisher gemessene Sturm auf den Philippinen. Was kommt noch?

Hartmut Dold

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2013 – der wärmste September überhaupt

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