Oder – sind wir schon im Cyberkrieg

Das kommt auf die Sichtweise an und darauf wie man Krieg definiert. Zweifellos findet in einigen afghanischen und pakistanischen Provinzen ein realer Cyberkrieg statt. Ferngelenkte Predator-Drohnen schießen Hellfire-Rakteten auf mutmaßliche Terroristen ab. Die Steuerung erfolgt mit Joystick aus einem Headquater in den USA und die Ziele werden mit mathematischer-Wahrscheinlichkeitsrechnung auf Grund vorliegender Datenausspähung ermittelt. Wenn sich der Computer irrt – Pech gehabt.

Das ist die reale und brutale Seite von Cyberwar. Kollateralschäden werden in Kauf genommen. Zugegeben wird nichts.

„Soft-Cyberwar“?

Aber es gibt noch den „Soft-Cyberwar“. Damit sind alle Aktivitäten gemeint, die mittels technologischer Überlegenheit über das Internet Angriffe auf die Energieversorgung, das Stromnetz und die öffentlichen Infrastrukturen von Staaten durchführen. Das schließt auch die Landesverteidigung und die Kommunikation innerhalb von Regierungs- und Befehlsstrukturen mit ein. Ziel ist auch die Erzeugung öffentlicher Panik. Interessant sind auch andere Varianten:

Operation Quantum

Mehr als 50 Institutionen haben in New York bei der Übung „Quantum Dawn 2“ einen Cyberangriff auf die Finanzinfrastruktur in den USA durchgespielt. Die Angreifer waren dabei größtenteils erfolgreich: Nach fünf Stunden wurde der simulierte Börsenhandel an der Wall Street vorsichtshalber ausgesetzt.

Während des sechsstündigen Cyber-Manövers konnten Hacker die Konten von Aktienhändlern übernehmen und den Markt mit Wertpapieren überschwemmen. Mit falschen Pressemitteilungen und Nachrichten in sozialen Netzwerken versuchten die Angreifer, Zweifel an den Vorgängen zu zerstreuen. Gezielt verbreitete Trojaner und Computerviren sowie Denial-of-Service-Attacken auf Regierungsseiten sorgten für zusätzliches Chaos. Bis dann Homeland Security, das FBI und die beteiligten Banken schließlich den Stecker zogen.

Das war nur eine Übung

In der Realität gab es bereits einmal einen Denial-of-Service Angriff auf einen Staat. Er betraf Estland und fand 2007 statt. Im Ergebnis wurde die lokale Infrastruktur lahmgelegt. Wer dahinterstand ist bis heute unbekannt.

Bekannt ist auch, dass iranische Atomanlagen durch Viren und Trojaner angegriffen und verseucht wurden.

Die Snowden Enthüllungen:

Die USA machen den Cyberspace zum Schlachtfeld, weil man es kann und weil es die anderen angeblich schließlich auch tun. Herkömmliche Kriege verkaufen sich ohnehin nicht gut, das hat das Beispiel Syrien bewiesen.

Für militärische Planungen stünden jetzt ganz andere Möglichkeiten und Technologien offen, erläuterte  General Keith Alexander, Chef der NSA sowie des 2009 gegründeten und inzwischen angeblich 14.000 Personen starken U.S. Cyber Command im Pentagon. Die Offensiv-Kapazitäten der USA im Cyberspace seien die „besten in der Welt“, sagte Alexander kürzlich bei einer Anhörung im Kongress. Und man werde sie gewiss verbessern. Das ist eine Drohung! Die Ergebnisse konnten unlängst im Abhörskandal um die Kanzlerin besichtigt werden.

Panikmache?

Immerhin schalteten die Ampeln weiterhin von grün auf gelb und rot und wieder zurück. Könnte sich das ändern? Im Prinzip ja. Aber was hätten Angreifer davon? Sie konzentrieren sich entweder auf militärische oder kommerzielle Ziele und auf Knotenpunkte der zivilen Infrastruktur.

Kritiker fordern zur Demilitarisierung des Cyberspace auf. Die Genfer Konventionen würden auch im Cyberspace gelten. Aus Sicht der NSA ist das wohl kein Thema. Dort ist man eher überzeugt, dass die USA vorn liegen im Wettrüsten für den Cyberwar und das wird man nicht auf’s Spiel setzen.

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff hat unlängst ihren geplanten Staatsbesuch in den USA abgesagt. Es sei nicht akzeptabel, dass die NSA ihre Telefonate und die Internetkommunikation ihres Büros überwacht habe. Na ja, auch das Energieministerium wurde überwacht. Da gab es unlängst die Ausschreibungen über das größste Offschore Ölfeld Brasiliens. Das ist doch sicher interessant zu wissen.

Die US-Regierung teilte mit, Obama habe Verständnis für die Absage. Da wird Frau Rousseff froh gewesen sein. Jetzt hat auch noch die Kanzlerin angerufen und sich beschwert. Eine hochrangige deutsche Delegation war in den USA und hat mit hochrangigen Regierungsvertreter gesprochen. Und was nun?

Neuste Entwicklungen

Jetzt hat Christian Ströbele Edward Snowden in Moskau besucht. Hut ab! Snwoden hätte eine Mission und sei von seinem Tun überzeugt, wir auch. Einige Schreiberlinge mißgönnen dem Altlinken den Coup. Selber sind sie nicht mit ihrem Hintern hochgekommen und waren zu feige. Das trifft auch auf die Deutschen Regierungsvertreter zu. Wenn Minister bei ihrer Vereidigung schwören, Deutschland zu dienen und Gefahren für das Volk abzuwenden, ist sicher nicht damit gemeint, kriecherisch mit dem Großen Bruder umzugehen.

Aber jetzt wir die politische Posse folgen. Ausgerechnet der mutmaßlich zukünftige Innenminister Oppermann ( SPD) hat jetzt Bedingungen für eine Vernehmung von Snowden in Deutschland oder Moskau genannt: Dies müsse im Einklang mit unseren amerikanischen Freunden geschehen.

Die haben aber schon vorsorglich ein Auslieferungsersuchen gestellt. Snowden ist Staatsfeind Nr.1. Aus der Sicht einer kalten Überlegenheitslogik macht das auch Sinn.

Jetzt werden sich alle wieder winden und verbiegen müssen. Was hat der Ströbele da nur angerichtet, wird er denn niemals Altersweise?

Übrigens: Herr Snowden sah auf den Fotos sehr schmal und verletzlich aus. Wird er das Ganze durchstehen können? Noch steht er unter Putins Schutz. Darauf kann er sich nur so lange verlassen wie er im politischen Spiel gebraucht wird. Hält er das durch, und was wird danach? Kan ihn die Weltöffentlichkeit schützen, ein Friedensnobelpreis gar?

Hartmut Dold

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Schöne neue Welt

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