Teil III – der Kleinbürger triumphiert

Schon bald war klar, dass aus der Parole der Wende „wir sind das Volk“ kein hinreichender Gestaltungswille in der Gesamtbevölkerung erwuchs. Es hatte eigentlich gut angefangen mit runden Tischen und einer freien Volkskammer. Aber die Mehrheit wollte keine Experimente sondern einen Betritt nach den Bedingungen der Bundesrepublik.

Der zwischen Krause und Schäuble ausgehandelte Einigungsvertrag spiegelte das wieder. Die Mehrzahl der Menschen wollte die DM so schnell als möglich, um sich langgehegte Konsumwünsche zu erfüllen. Gysi wurde belächelt als er über 1 Mio. Arbeitslose voraussagte.

Es kam dann noch schlimmer. Die Treuhand, ein in Ostdeutschland ersonnenes Instrument, über das eigentlich das Volkseigentum über Anteilscheine an die Bürger verteilt werden sollte, verkam zum Ramschladen. Abgehalfterte Glücksritter und faule Beamte hatten Konjunktur.

Wir waren mehrmals zu Verhandlungen dort und haben auch einen Arbeitsvertrag erhalten. Einen Käufer für unseren Verlag hatten wir uns selbst aus dem Ausland besorgt. Er war bereit eine Mio. DM zu bezahlen und relativ viele, wenn auch nicht alle Arbeitsplätze zu erhalten. Die Konkurrenz hat das verhindert. Später wurde er für 1 DM verschleudert, die Rechte verramscht und die Mitarbeiter entlassen. Das haben wir uns dann nicht angetan und sind vorher gegangen.

Eine Ironie des Schicksals

2001 habe ich mich in einer 18-monatigen Ausbildung bei der Akademie für Mediadesign zum Multimediamanager ausbilden lassen. Dort saß ich mit dem Dokumentarfilmer Aram Radomski, der die Ereignisse um die Leipziger Massenproteste Ende September 1989 mit einer Videokamera vom Dach eines Hochhauses aufgenommen hatte und sie dem „Westfernsehen“ unter konspirativen Umständen zuspielen konnte, in einer Klasse. Die Ausbildung wurde vom Arbeitsamt bezahlt. So sieht man sich wieder.

Hartmut Dold

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Berlin – Prenzlauer Berg – ein Zeitzeuge berichtet

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