Teil II – Mauerfall

Am  Abend des 09.November war ich gerade dabei meinen Flur zu tapezieren. Im Fernsehen liefen die Nachrichten. Da sagte eine Bekannte zu mir, Schabowski hätte erklärt, man dürfe ab Mitternacht ausreisen. Es gebe da ein neues Reisegesetz. Ich meinte, sie hätte was falsch verstanden. Wir haben dann die Nachrichten weiter verfolgt.

Gegen 22:00 Uhr wurde es in unserer sonst um diese Zeit so ruhigen Straße immer belebter. Ein Trappeln war zu hören und Leute strebten Richtung Bornholmer Straße. Dort war der nächstgelegene Grenzübergang. Das wollten wir uns ansehen.

Eine viertel Stunde später waren wir vor Ort. Einige tausend Menschen waren schon da. Sie riefen „macht das Tor auf“. Es wurden immer mehr und der Druck der Straße war gewaltig. Was wir eigentlich nicht erwartet hatten geschah dann. Gegen 23:00 Uhr wurde erst eine Tür und später das Tor geöffnet.

Wir gehörten zu jenen, die noch einen Stempel in den Personalausweis bekamen. Was wir nicht wussten: Es war geplant, uns nicht wieder rein zu lassen. Daraus wurde dann bekanntlich nichts mehr.

Von Gefühlen überwältig und von den West-Berliner freudig begrüßt gingen wir die Osloer Straße Richtung U-Bahn. Mit der fuhren wir zum Ku’damm. Nachdem wir uns geautet hatten wurden wir frei gehalten. Es war eine schöne Nacht.

Gegen 6:00 Uhr morgens waren wir zurück und um 8:00 Uhr auf Arbeit. Als Beweis hatte ich eine West-Berliner Tageszeitung mitgebracht. Am nächsten Tag sind wir dann gemeinsam rüber. Manche wollten sich erst mal das Begrüßungsgeld abholen. So wurden wir gekauft.

weiter

Hartmut Dold

Please follow and like us:
Berlin – Prenzlauer Berg – ein Zeitzeuge berichtet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.