Teil I – 1989

Im Frühjahr 1989 bin ich in den Prenzlauer Berg gezogen. Nach langem Kampf mit der Bürokratie war mir eine Neubauwohnung in Hellersdorf angeboten worden. Die habe ich dann gegen eine Altbauwohnung Nähe Schönhauser Allee getauscht. Die Wohnung war abgewohnt aber sie hatte Potential. Die Miete betrug ein Zehntel der jetzigen. 1989 war ein aufregendes Jahr.

Es begann in Berlin mit den Massenprotesten zum 40.Jahrestag der Republik am 7. Oktober. Ich wollte abends mit Bekannten über die S-Bahn Brücke in der Greifenhagener Straße Richtung Gethsemane Kirche gehen. Die war von der Volkspolizei abgeriegelt, Hunde waren auch dabei. Was passiert hier jetzt? Das kannten wir bisher so noch nicht! Wir gingen über die Wichert Straße Richtung Schönhauser.

Dort hatte sich bereits eine Menschenmenge versammelt. Sie blockierte die Straße und rief „keine Gewalt“. Vor ihr hatte sich Ketten von Bereitschaftspolizisten aufgebaut. Hin und wieder sprangen aus ihren Reihen zivile Greifer heraus und zerrten einen der Sitzblockierer in einen der Mannschaftswagen, die unter dem Magistratsschirm bereitgestellt waren. Dann kamen die gepanzerten Wasserwerfer und die mit Schilden und Schlagstöcken bewaffnete Polizei ging gegen die Menge vor. Die Szenen kennt man aus dem Fernsehen.

Wenn man sie wieder sieht kommt vieles hoch. Wir haben unsere Beine in die Hand genommen und sind in einen Hauseingang in die Erich-Weinert-Straße geflüchtet. Ich habe dann über diese Vorfälle einen Wandzeitungsartikel geschrieben. So etwas gab es damals. Für den Artikel musste ich mich rechtfertigen und es sollten Konsequenzen gezogen werden. Dazu kam es dann nicht mehr.

weiter

Hartmut Dold

Please follow and like us:
Berlin – Prenzlauer Berg – ein Zeitzeuge berichtet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.