Zwischenkolloqium der Bürgerwerkstatt Mauerpark

Kein Wohn- und Gewerbepark!

Bürgerwerkstatt Mauerpark kritisiert erste Wettbewerbsentwürfe

Ein lebendiger Mauerpark ist kein Wohn- und Gewerbepark! Unter diesem Motto stand die Sitzung der 3. Bürgerwerkstatt am 12. Januar 2011. Anlass für diese Warnung war geboten. Hatten doch die vier Delegierten der „Bürgerwerkstatt Mauerpark Fertigstellen“ im Zwischenkolloquium zum Städtebaulichen Wettbewerb für eine Randbebauung des Mauerparks feststellen müssen: Die bisherigen Gestaltungsziele der acht zum Wettbewerb angetretenen Büros und die Eckpunkte der Bürgerwerkstatt liegen weit auseinander. Lediglich zwei Entwürfe nähern sich den Forderungen der Bürgerwerkstatt!

Deshalb ist Handeln angesagt gewesen, um den Druck auf das Städtebauliche Verfahren zu erhöhen. Denn der Mauerpark ist eine „Institution“ Berlins für Einheimische und Touristen geworden, dafür wird er geliebt und geschätzt! Der Mauerpark darf nicht zum „Wohn- und Gewerbepark“ werden!

Bebauung: Dichte, Masse und Höhe zurücknehmen!

Die Bürgerwerkstatt hat intensiv den Vorschlag der Delegierten diskutiert, sich mit einer klaren Stellungnahme an die Jurymitglieder, die Architekturbüros, den Investor und die politischen Mandatsträger zu wenden. Bis auf eine Gegenstimme wurde sie als Beschluss verabschiedet.

Generell wird in dem Beschluss gefordert: Dichte, Masse und Höhe der Bebauung müssen in beiden Baufeldern gegenüber dem jetzigen Entwurfsstand entschieden zurückgefahren werden. Auch wenn diese quantitativen Parameter nicht alleiniger Maßstab für städtebauliche Qualität sind, sind sie doch auch für diese entscheidend. Für die Flächeninanspruchnahme sind sie ein tragendes Kriterium: Ab einem bestimmten Volumen ist der Mauerpark nicht mehr der gewünschte Freiraum für die Bürger.

Großzügige Abstände einhalten!

Im Weiteren wurden die wichtigsten Forderungen für den nördlichen und südlichen Teil gesondert angesprochen. So ist im Norden besonders wichtig, dass von der Grenze des Baufeldes im Osten, also zum Gleimviertel hin, ein großzügiger Abstand zu den zukünftigen Gebäudekanten eingehalten wird. Damit wird vor allem der Jugendfarm Moritzhof genügend Luft zum Leben gelassen. Ferner sollte wegen der Planung des „Grünen Bandes“ auch in Richtung Humboldthain in West-Ost-Richtung von der Grenze des Baufeldes zum Nordgraben ein ausreichender Abstand sein. Die Bürgerwerkstatt fordert nach wie vor ein autofreies Wohnen. Übrige Positionspunkte der Bürgerwerkstatt wie der zurzeit nicht mehr umstrittene Erhalt des Gleimtunnels bestehen weiter.

Im Süden geht es neben der ebenfalls zu reduzierenden Dichte und Masse der Bebauung vorrangig um den besonderen Stellenwert der Eingangssituation in den Mauerpark. Eine mögliche Entréebebauung soll sich harmonisch mit der von Prof. Lange zu entwerfenden Parkgestaltung verbinden lassen. Im Eingangsbereich – aber nicht nur dort – muss nach Möglichkeit der Erhalt bestehender Vegetation und vor allem historischer Elemente gegeben sein.

Die Randbebauung soll kleinteilig gestaltet werden. Dabei ist Erdgeschossfreiheit wichtig, um einen öffentlich zugänglichen und nutzbaren „Markthallencharakter“ zuzulassen. Erhalt und Synergie zur gewachsener Freizeitkultur und ihren Strukturen wie beispielsweise dem Mauersegler sind zu beachten. Nutzungen im neuen Baubereich sollen auf authentisch viertelstypische Angebote ausgerichtet sein, nicht auf fremdbestimmte Dienstleistungsketten in Einzelhandel, Gewerbe und Hotellerie. Freie Zugänge der Bewohner des Brunnenviertels und der Freien Schule durch das Baufeld sind wichtig, sowie ein der Nutzung durch die Schule angemessener Abstand zur Bebauung.

Einigkeit zwischen Wedding und Pankow

Die Mitglieder der Bürgerwerkstatt wollen bis zum Ende des Städtebaulichen Wettbewerbs kämpfen: Ein Kompromiss zwischen Parkzugewinn um 6 Hektar zum Preis einer Randbebauung muss weiter zugunsten einer ansprechenden Parkgestaltung ohne große Beeinträchtigung durch die Bebauung verschoben werden! Die Mitglieder der Bürgerwerkstatt freuen sich, dass hierüber Einigkeit zwischen Weddinger und Prenzlauer Seite besteht.

Ebenso ist es ein Erfolg, dass sich jetzt die Initiative „Mauerpark Fertigstellen“ an der Bürgerwerkstatt beteiligt. Gut so, denn die bisherige Arbeit der Werkstatt lohnt sich. Hat sich doch gezeigt, dass die Politiker in Berlin-Mitte in großer Mehrheit auf unserer Seite stehen. Sie haben soeben erst einen Beschluss gefasst, dass die Delegierten auch an der Erarbeitung eines Städtebaulichen Vertrags zwischen dem Investor und dem Bezirk Mitte beteiligt sein sollen.

Dennoch: Zu viel Optimismus anzuzeigen wäre verfrüht. Letztlich wird sich an der Qualität der Entwürfe messen lassen, ob es gelungen sein wird, über die Bürgerwerkstatt einen Bebauungsplan zu erreichen, der einen großzügigen Park und eine verträgliche Kompromissbebauung darstellt.

Rainer Krüger, 14.01.2011

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1 Kommentare zu “Zwischenkolloqium der Bürgerwerkstatt Mauerpark”


  • Schönen Guten Tag Herr Krüger,

    ich befinde mich zur Zeit in der Bearbeitung eines Schülerprojekts bei Jugend Forscht zur Mauerparkerweiterung und zum Gleimtunnel. Ich finde Ihre Bürgerinitiative sehr interessant und wollte sie fragen, ob die Möglichkeit bestände, bei einer Sitzung wie dem 14. Januar als Gast teilzunehmen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Alina Ermel

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