Ein Gigant im Gleimviertel

Im eher beschaulichen Gleimviertel mit vielen Gründerzeitbauten, die bis auf wenige Ausnahmen inzwischen saniert sind, ist die Max-Schmeling-Halle ein Gigant. Anfangs angefeindet, hat sie sich zu einem zentralen Event-und Sport- Palast gemausert, der mit der O2- World am Ostbahnhof um die wichtigen Events balgt. Nach wie vor finden das nicht alle Anwohner gut, insgesamt ist die Lage aber eher entspannt und die Halle an sich und ihre Funktion wir nicht mehr in Frage gestellt.

Das war nicht immer so

Bekanntlich hatte sich Berlin einmal um die Olympischen Spiele beworben. Nach dem Motto: „Völker der Welt schaut auf diese Stadt“, einem Satz von Ernst Reuter, wurde versucht, aus der jahrzehntelangen Teilung sportpolitisches Kapital zu schlagen und die Olympischen Spiele im Jahre 2000 nach Berlin zu holen.

Doch das Olympische Komitee handelte schon damals, wie heute verstärkt, nach fiskalischen und geopolitischen Interessen und vergab die Spiele nach Sydney/Australien. Das Ganze war dann eher peinlich für Deutschland und Berlin.

Immerhin entstanden in der Bewerbungszeit einige Olympiabauten wie die Max-Schmeling-Halle, die prompt eine Bürgerinitiative auf dem Plan rief. Sie forderte eine möglichst große Schonung des Falkplatzes und lehnte eine Umfunktionierung des Platzes als bloßen Vorplatz der späteren Max-Schmeling-Halle ab. Sorgen gab es auch wegen der Verkehrsströme und Parkplätze.

Aus dieser Bewegung und aus Sorge um den Erhalt der bestehenden Einwohnerstruktur, ging später der „Bürgerverein Gleimviertel“ hervor, der sich seit dieser Zeit für bürgernahes Leben, mehr Stadtgrün, eine moderne Schulpolitik und gegen Gentrifizierung einsetzt.

Immerhin wurde im Ergebnis des Verfahrens nach einem Architekturwettbewerb ein Teil des ehemaligen Grenzstreifens als Mauerpark begrünt. Für die restlichen, in einem Flächennutzungsplan ausgewiesenen Areale, kämpfen wir bis heute gegen eine Betonlobby.

Zurück zur Max-Schmeling-Halle

Heute ist sie ein Ort zwischen Kultur-und Sportevents. Hier wurden die Berlin Volleys zwei mal hintereinander Deutscher Meister. Der dritte Titel scheint in Gefahr, da die Volleys wegen der Nutzungskonflikte der Halle in 10 Auswärtsspielen hintereinander antreten müssen. Dazu hat der Hauptgegner Friedrichshafen die halbe bulgarische Nationalmannschaft eingekauft. Egal!

Auch die Handballer von den Berliner Füchsen haben in den letzten Jahren großartiges in der Halle geleistet und sich für die internationalen Wettbewerbe qualifiziert. Alba Berlin dagegen, die Basketballer, haben sich aus der Max-Schmeling-Halle seit einiger Zeit verabschiedet. Ob es daran liegt, dass sie ihren zahlreichen Meisterschaften hinterherhecheln?

Übernutzung?

Wegen der „Übernutzung“, eigentlich kein schlechtes Zeichen für die Betreiber, ist folgendes zu hören: Der Geschäftsführer der Velomax, der Betreibergesellschaft der Max-Schmeling-Halle, bezeichnet die fehlenden Heimspielmöglichkeiten für die Volleys im November als „außergewöhnliche Situation“. Neben Konzerten blockieren die German Open im Tischtennis und die Weltmeisterschaft der Lateinamerikanischen Tänze die Halle.

Die Entscheidung dafür liegt auch bei der Sportverwaltung. Die versucht, auch andere Ereignisse in Berlin zu beherbergen. Diese vom Fernsehen übertragenen Sportveranstaltungen besäßen einen hohen Werbewert für Berlin. „Wir müssen für einen gesunden Mix sorgen“, sagt der Velomax-Geschäftsführer, „aber in der Regel haben unsere Heimteams Füchse Berlin und BR Volleys Priorität.“

Sei es wie es sei. Das Geschäft brummt und neben o.g. genannten Sportveranstaltungen mit TV werden noch bis Ende des Jahres diverse Musikgruppen wie: Bosshoss, Deep Purple und The National auftreten.

Hartmut Dold

Please follow and like us:
Die Max-Schmeling-Halle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.