Ein Beitrag zum Entmietungsprozess im Gleimviertel

Ob Jobcenter oder Wohnungsbaubehörde: Gleiche Bezeichnungen, ähnliche Wortwahl und ein Verschanzen hinter Vorschriften. Hier ein Teamleiter Wiedereingliederung, da ein Teamleiter soziales Erhaltungsrecht. Wenn’s nicht reicht wird, wie im Falle Gleimstraße 52, die Mieterberatung GmbH im Auftrage des Bezirksamts bemüht. Die gibt sich ehrlich Mühe, nach den Vorgaben ihrer Behörde zu arbeiten, aber reicht das?

Im Falle Gleimstraße 52 haben alle die Schnauze voll. Stadtrat und Mieterberatung fühlen sich brüskiert, weil nicht alle Mieter ihren Umsetzvorschlägen und ihrer Öffentlich-rechtlichen Vereinbarung (Sozialplan für Mieter) gefolgt sind. Die ehemaligen Mieter, die durch brutalste Baumaßnahmen verdrängt wurden und in Umsetzwohnungen hocken. Diejenigen, die sich auf eine Abfindung einließen und jetzt begreifen, dass sie zu gering ausgefallen ist, und die Mieterin, die vor Gericht zog, weil in ihrer Wohnung ein Brandanschlag verübt wurde, der aber nicht saniert wird, weil angeblich vorher ein Schwammbefall vorgelegen hätte.

Nur einer kann sich zurücklehnen. Der neue Eigentümer, der sein Investment vervielfachen wird. Clever eben – oder skrupellos? Ob sie XYZ oder C heißen, die Namen und ihre Methoden sind bekannt. Oft werden sie auf Wirtschaftsempfängen von Lobbyisten gesehen. Sie gehören zum bürgerlichen Establishment. Betrachtet man ihre aufwendig nach Web 2.0 Standard geflashten Webseiten, könnte man sie für Wohltäter halten, die alte, marode Häuser sanieren und selbstlos an ihre glücklichen Vormieter übergeben.

Obwohl – von Vormietern ist eigentlich eher nicht die Rede, mehr von den neuen Eigentümern. Die wählt man sich natürlich sorgsam aus. „Damit die „Chemie des Hauses“ der zukünftigen Bewohner stimmt und Sie nicht die ersten sozialen Enttäuschungen in der Eigentümerversammlung erleben, sind wir es jedem unserer Eigentümer schuldig, bewusst und mit Bedacht die Eigentümer einer Wohnungsanlage auszuwählen.“ So steht es auf der Webseite der Christmann-Gruppe.

Nur gut, dass jetzt endlich, wie im Falle Kop 46, die Politik energisch eingreift und den Fall der Mieterberatung übergibt. Dort hört man alles sei gut und der Fall nicht mit der Gleimstraße 52 vergleichbar. Hoffen wir das Beste!

Aber eigentlich sind wir noch gespannter auf die Antwort auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Nelken/LINKE an das Bezirksamt Pankow zum Haus KOP 46 vom 23.09, Fälligkeit am 07.10.2013.

Hier schon mal ein Vorgeschmack auf eine ähnliche Anfrage wegen Gleim 52:

„Bezüglich der bauaufsichtlichen Prüfung der Bauausführung durch den Fachbereich Bau- und Wohnungsaufsicht (FB BWA) ist festzustellen, dass hier ein Bauvorhaben im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren vorliegt. Hier gilt ein erheblich eingeschränkter Prüfumfang. Die im Vorverfahren und auch in der Kleinen Anfrage anklingenden Vorstellungen, dass der FB BWA durch eine intensive Bauausführungskontrolle eine mangelhafte Bauleitungstätigkeit und/oder eine mangelhafte Baustellensicherung kompensieren, entbehren angesichts der Tatsache der berlinweit einzigartigen Antragslage von Bauvorhaben und der damit verbundenen Bindung von Kapazitäten und auch ihrem Wesen nach jeglicher Grundlage.“

Na, da freuen wir uns doch einfach für die einzigartige Auftragslage. Was kann es schöneres für Mieter, pardon Vermieter geben.

Behörde trifft auf Bürger und Bürgervertreter. Beide sprechen unterschiedliche Sprachen. Manchmal, ganz ausnahsweise, kann man ihnen auch direkte Antworten entlocken. Aber darüber veröffentlichen wir nichts!

Hartmut Dold

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Gleimstraße 52 – Die Wortwahl der Behörden

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