Sind auch wir davon betroffen?

Der deutsche Schriftsteller bulgarischer Herkunft Ilja Trojanow wollte an einem Germanistenkongress in den USA teilnehmen. Ohne Begründung wurde er an der Grenze abgewiesen und saß in einem Flughafen in Brasilien fest. Er hatte zuvor eine NSA-Petition unterzeichnet. Auch wir haben uns in einigen Blogeinträgen gegen die Praktiken der Überwachung gewandt. Dürfen wir jetzt auch nicht mehr einreisen?

Der Hintergrund

Vor zwei Monaten stellte die Autorin Juli Zeh, ihrerseits vom niedersächsischen Verfassungsschutz illegal überwacht, einen offenen Brief online. Sie und 30 andere Schriftsteller, unter ihnen auch Ilja Trojanow, forderten Angela Merkel auf, die NSA-Affäre aufzuklären. Die Petition hat 70.000 Unterschriften im Internet gesammelt und wurde schon der Kanzlerin übergeben. Juli Zeh organisierte auch eine Demonstration vor dem Kanzleramt: Die Aktivisten versammelten sich mit braunen Kisten, die die viele Unterschriften symbolisieren sollten.

Wie seine Kollegin Juli Zeh, hat auch Ilja Trojanow die Spähpraktiken des US-Geheimdienstes kritisiert. Er forderte die deutsche Regierung auf, eine ausführliche Erklärung zur NSA-Affäre zu geben. Als Schriftsteller sei es für ihn schwer in einem Überwachungsstaat zu leben und zu schaffen.

Viele Journalisten und Schriftsteller bringen dieses Einreiseverbot mit der NSA-Petition in Verbindung. In einem FAZ-Beitrag meldete sich Ilja Trojanow persönlich. Er schrieb: „Es ist mehr als ironisch, wenn einem Autor, der seine Stimme gegen die Gefahren der Überwachung und des Geheimstaates im Staat seit Jahren erhebt, die Einreise in das ‚Land of the brave and the free‘ verweigert wird“.

Naja, ‚Land of the brave and the free‘ – das war einmal

Heute kämpft die USA-Administration auf vielen Ebenen. Gegenwärtig haben sie 80.000 Staatsbedienstete in unbezahlten Urlaub geschickt, weil das von den Republikanern beherrschte Repräsentantenhaus die Zustimmung zum Haushalt wegen der Gesundheitsreformen Obamas verweigert. Ein erbärmliches Armutszeugnis!

Das, was in Deutschland vor über 100 Jahren eingeführt wurde, die Sozial-und Gesundheitsversicherung unter staatlicher Beteiligung, wird von der Tea-Party- Bewegung als Angriff auf die Freiheit Amerikas empfunden.

Man kann nur wünschen, dass die Betroffenen ihre wahren Interessen erkennen und handeln. Das betrifft auch die Ausspionierung und Kommerzialisierung ihrer Internet-Identität und deren Vermarktung.

Jetzt kommen wir wieder zur Ausgangsfrage: Will ich überhaupt noch in die USA einreisen? Ich habe die Frage für mich beantwortet. Aber vielleicht gelten ja ähnliche Maßstäbe bald in der EU! Das wäre eine Frage mit der sich eine neue liberale Partei in Deutschland befassen könnte.

Hartmut Dold

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Einreise verweigert

Ein Gedanke zu „Einreise verweigert

  • 13. Januar 2014 um 03:35
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