Eine Botschaft aus dem alten Ägypten an die Politik

Im Britisch Museum in London ist eine Inschrift mit Hieroglyphen zu besichtigen, die ca. 3500 Jahre alt ist. Der Text ist wahrscheinlich noch 300 Jahre älter und stammt vom Schreiber Chacheperreseneb, einem Wab-Priester aus Heliopolis, in der Zeit des Pharaos Sesostris II, 1844-!837 v.u.Z., im mittleren Reich. Ein Stück davon ist auf einer Tonscherbe auch im Ägyptischen Museum in Kairo vorhanden

Die Botschaft ist so alt wie neu und sollte Politikern und Medien ins Stammbuch geschrieben werden. „Der soll nicht sprechen, der schon gesprochen hat. Der soll sprechen, der etwas zu sagen hat. Ein anderer soll herausfinden, was zu sagen ist, kein bloßes Nach schwätzen von Worten, wie man es immer schon tat“.

Weise Worte, aber keiner hält sich daran. Besonders nachlässig gehen Politiker und Journalisten in der Zeit des Wahlkampfs damit um. Da gibt es „Klartextredner“, die immer wieder erprobte Worthülsen verbreiten und sich den Anschein von Originalität geben. Noch schlimmer sind die staatstragenden Elogen von der anderen Seite und das marktliberale Gefasel einer Zwergpartei, die sich im Wahlkampf unsichtbar gemacht hat, um unter der Tarnkappe wiedergewählt zu werden.

Ist man lange genug im Geschäft, setzt man die auswendig gelernten Textbausteine wie einen rubrik’schen Würfel in immer neuen Variationen zusammen, und der unbedarfte Zuhörer staunt ob ihrer Eloquenz und Schlagfertigkeit. Das haben die alten Staatsführer der DDR nicht so clever gemacht. Da war die Rede vom Ochs und Esel, deren Lauf keiner aufhalten könne, und der gefistelte Satz „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“.

Früher haben wir uns noch regelmäßig Talkshows angeschaut, heute eher weniger, weil man das System verstanden hat.

Etwas authentischer, weil bürgernäher, aber im Ansatz das Gleiche, die Kandidatenchecks vor Wahlen. O.k., auf unterer Ebene, im Wahlkampf vor Ort eben, werden schon mal direktere Fragen gestellt, und die Kandidaten müssen sich kritische Fragen zu ihrer Biografie und ihrer Karriere gefallen lassen. Die Themen sind auch konkreter und näher an der Lebenswirklichkeit des Publikums.

Eine solche Kandidatenbefragung hatte der Bürgerverein Gleimviertel und die Mauerparkstiftung Welt-Bürger-Park am 21. August im Haus der Sinne im Gleimviertel/Prenzlauer Berg organisiert. Wer sich dafür interessiert, kann sich das Youtube-Video der Piraten zu dieser Veranstaltung  anschauen, oder den subjektiven Bericht auf dieser Seite.

Hartmut Dold

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